"Der Winter kommt"Deutschland holt für die Ukraine ältere Patriot-Raketen aus den Lagern

Die Ukraine hat Russlands ballistischen Raketen zeitweise so gut wie nichts entgegenzusetzen, da es an Patriot-Flugabwehrraketen fehlt. Nun soll weitere Hilfe aus Deutschland kommen.
Verteidigungsminister Boris Pistorius hat angesichts des nahenden Winters eine Stärkung der ukrainischen Luftabwehr gefordert und die Lieferung weiterer Raketen aus Bundeswehrbeständen angekündigt. "Die Ukraine befindet sich in einem Wettlauf mit der Zeit. Der Winter kommt", sagte der SPD-Politiker bei einem virtuellen Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe, der Unterstützerstaaten des Landes.
Man müsse damit rechnen, dass die russischen Luftangriffe mit sinkenden Temperaturen wieder zunehmen würden. Deutschland werde daher dringend benötigte PAC-2-Abfangraketen für das Patriot-System sowie eine größere Stückzahl an AIM-9-Luft-Luft-Raketen liefern. Pistorius appellierte an die Verbündeten, ebenfalls ihre Bestände zu prüfen. "Wenn Sie im Zweifel sind, entscheiden Sie sich für die Ukraine."
Der neue ukrainische Verteidigungsminister Jewhenij Chmara betonte, die Abwehr von Drohnen funktioniere mittlerweile sehr gut. Anders sei dies bei ballistischen Raketen. Es fehlten vor allem Patriot-Abwehrraketen vom Typ PAC-3. Die PAC-2 sind weniger effektiv gegen russische ballistische Raketen. PAC-3 sind aber auch wegen des Nahost-Kriegs knapp. Zudem halten sie verschiedene europäische Staaten mit Rücksicht auf ihre eigenen Bestände zurück. In den vergangenen Jahren hatte Russland mit Raketen und Drohnen im Winter vor allem die Wärme- und Energieversorgung attackiert.
Tausende neue IRIS-T-Flugabwehrraketen
Deutschland werde die laufenden Lieferungen von IRIS-T-Luftverteidigungssystemen fortsetzen, erklärte Pistorius weiter. Er kündigte an, dass die Ukraine mehrere Tausend zusätzliche IRIS-T-Lenkflugkörper bestellen werde. Dies ermögliche den Aufbau einer weiteren Produktionslinie. Darüber hinaus unterstütze Deutschland das "City Dome"-Projekt zum Schutz ukrainischer Städte vor Drohnen und Raketen und finanziere die Beschaffung von Zehntausenden Schuss Langstrecken-Artilleriemunition über ein britisches Konsortium.
Auch die Partner sicherten weitere Unterstützung zu. Der britische Verteidigungsminister Wes Streeting kündigte einen Beitrag von 100 Millionen Pfund für die schnelle Lieferung von Flugabwehrraketen in diesem Winter an. Zudem kämen die versprochenen Lieferungen von 120.000 Drohnen gut voran.
US-Unterstaatssekretär Elbridge A. Colby betonte, Europa übernehme zunehmend die Führungsrolle bei der Unterstützung der Ukraine, was die US-Regierung unterstütze. Obwohl sie sich um einen Frieden bemühe, müsse man sich doch auf einen noch lange andauernden Krieg einstellen.

