Politik
So süß: Russischer Zucker wirbt mit Trumps Konterfei.
So süß: Russischer Zucker wirbt mit Trumps Konterfei.(Foto: imago/ITAR-TASS)
Freitag, 24. Februar 2017

Ernüchterung nach dem Rausch: Die Trump-Liebe der Russen erlischt

Von Gudula Hörr

Es begann so schön für den Kreml. Mit Trump wurde anscheinend ein Putin-Freund und "echter Kerl" Präsident der USA. Der Hype in Russland war groß, doch nun zeigt sich: Der starke Mann im Weißen Haus schwächelt, der Rausch währt nicht ewig.

Vor wenigen Wochen wäre das noch undenkbar gewesen. Vor der Propaganda-Agentur Rossija Segodnja in Moskau marschieren Demonstranten: Sie schwenken schwarz-orangefarbene Fahnen, auf ihren Plakaten steht "Kein Trump-Kult in unseren Medien". Die Mitglieder der Putin-treuen "Nationalen Befreiungsbewegung" protestieren gegen den prominenten Fernsehmoderator und Kreml-Propagandisten Dmitrij Kisseljow. Gegen den Mann, der US-Präsident Donald Trump kürzlich noch als "echten Kerl" gepriesen hatte.

Die Stimmung hat sich gedreht. "Die Russen sind jetzt in der Realität angekommen", sagt Stefan Meister von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik n-tv.de. "Sie sehen, dass Trump wie in jeder anderen Beziehung auch in der Russlandpolitik keinen Plan hat."

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Spätestens mit dem Rücktritt von Sicherheitsberater Michael Flynn in der vergangenen Woche wuchs die Skepsis in Russland. Dieser galt als ausgesprochener Freund Moskaus und hatte wegen Kontakten zum russischen Botschafter und anschließender Lügen darüber seinen Hut nehmen müssen. Dann prangerte auch noch US-Vizepräsident Mike Pence bei der Münchner Sicherheitskonferenz das russische Vorgehen in der Ukraine an und kündigte an, die USA würden Russland dafür "zur Verantwortung ziehen". Anfang dieser Woche ernannte Trump ausgerechnet mit General Herbert Raymond McMaster einen Russlandkritiker zu Flynns Nachfolger, und jetzt erklärt der US-Präsident auch noch, die USA müssten immer die führende Atommacht sein.

Dabei hatte alles so gut angefangen, zumindest aus russischer Sicht. Im Wahlkampf hatte Trump noch eine Anerkennung der von Russland annektierten Krim in Aussicht gestellt. Putin selbst lobte er so, wie ein echter Kerl einen anderen lobt: "Er führt sein Land, ist wenigstens ein Führer, anders, als wir das hier in unserem Land haben."

Die Worte waren Balsam für die Seele des Landes, das nach dem Zerfall der Sowjetunion noch immer unter Phantomschmerzen leidet und von Trumps Vorgänger Barack Obama als Regionalmacht verhöhnt worden war. Auch Trumps Nationalismus sowie seine Abkehr von Liberalismus und internationalen Institutionen wie der Nato und der EU kamen in Russland gut an.

Viele westliche Politiker gelten als Heuchler

Und nicht nur das. Trumps Auftreten stößt bei vielen Russen auf Zustimmung. "Die meisten westlichen Politiker gelten hier als Heuchler, getrieben von politischer Korrektheit. Niemand weiß, was sie wollen und was man von ihnen erwarten kann", sagt Andrej Kortunow von der Denkfabrik "Russian International Affairs Council" n-tv.de. "Im Gegensatz zu ihnen gilt Trump als ein sehr direkter Mensch. Ein Mann, der weiß, was er will, der mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hält und der eine Herausforderung für das westliche Establishment ist."

Wie Putin verachtet er politische Korrektheit und Schwachheit, er setzt auf Deals und die persönliche Ebene. Und nicht zuletzt hat Trump im Wahlkampf für die Russen einen unschlagbaren Vorteil: Er ist nicht Hillary Clinton. Diese hatte im Wahlkampf eine Politik der Stärke gegenüber Russland gefordert und schon 2011 hatte Putin ihr vorgeworfen, die Proteste gegen die russischen Parlamentswahlen angeheizt zu haben.

Russlands Parteinahme für Trump, den vermeintlichen Underdog im US-Wahlkampf, war da die logische Konsequenz.  Auch wenn in Moskau kaum einer mit einem Sieg des Unternehmers rechnete. "In Moskau war man völlig überrascht über den Sieg", sagt Meister. "Sie hatten schon alle Statements vorbereitet, dass Clinton gewonnen und das Establishment Trump keine Chance gegeben hat."

Die Überraschung wich schnell einer landesweiten Euphorie. Bei der Verkündung von Trumps Sieg in der Duma applaudierten die  Abgeordneten, ein Trump-Hype ergriff das Land. Sein Antlitz erschien überall, in der russischen Presse wurde er sogar noch deutlich häufiger erwähnt als der allgegenwärtige Putin. Und in Umfragen gaben plötzlich rund 40 Prozent der Russen an, gegenüber den USA positive Gefühle zu haben – doppelt so viele wie noch ein Jahr zuvor.

"Heiliger Schleier gefallen"

Doch all dies scheint bereits eine Ewigkeit zurückzuliegen. In nur wenigen Wochen ist die Euphorie der Ernüchterung gewichen. "Wir waren zu früh mit unserer Entscheidung", klagt etwa Leonid Sluzki, Chef des außenpolitischen Komitees des Parlaments. Trump sei doch nicht prorussisch, sondern proamerikanisch. Pawel Danilin, Direktor des kremlfreundlichen Zentrums für Politische Analyse,  erklärte auf Facebook, dass der "heilige Schleier" gefallen sei. Unmut herrscht inzwischen auch bei den rund 20 Millionen Muslimen Russlands, die enge Verbindungen zu Putin haben. Trumps Einreisebann kam hier nicht gut an. Mittlerweile werden auch Stimmen lauter, die davor warnen, dass Trump für die Russen ein größeres Problem als Obama werden kann - nicht zuletzt wegen seines Nationalismus und seiner Unbeständigkeit.

Dennoch halten viele Russen zurzeit noch an Trump fest. Sie verteidigen ihn nach dem Muster, von dem auch Putin profitiert, wenn es nicht rund läuft: Auch ein guter Zar kann schlechte Untertanen haben. "Im Moment ist Trump noch der Gute", glaubt Meister. "Noch sind das US-Establishment und die Geheimdienste das Feindbild in Russland. Viele glauben, dass sie Trump daran hindern, den Reset-Knopf im russisch-amerikanischen Verhältnis zu drücken."

Doch auch bei einer solchen Interpretation bleibt in den Augen vieler Russen ein Makel. Schließlich wirkt Trump dann wie ein schwacher Führer, der sich nicht durchsetzen kann. Ein "echter Kerl" sieht anders aus.

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Quelle: n-tv.de