Politik

Ukrainische Armee vor WandelDiese Pläne sollen Russland endgültig stoppen

29.07.2026, 18:52 Uhr
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Die Ukraine führt ihren Verteidigungskampf derzeit aus einer starken Position heraus. (Foto: AFP)

In der ukrainischen Armee weht ein anderer Wind. Mit Mychajlo Drapatyj führt der wohl beliebteste Militärangehörige des Landes die Streitkräfte - und mit ihm kommen bedeutende Veränderungen auf die Soldaten zu. Es geht um mehr Eigenverantwortung, Technologie und Empathie.

Mychajlo Drapatyj hat sich in den vergangenen zwölf Jahren in verschiedenen Positionen in der ukrainischen Armee bei der Abwehr russischer Angriffe verdient gemacht. Seit einer Woche führt er nun selbst die Streitkräfte an und soll mit seinen Entscheidungen die russischen Truppen weiter zermürben, damit der Kreml den Angriffskrieg beendet. Verstärkte Angriffe aus der Luft auf das russische Hinterland sind ein Baustein dafür. Doch daneben gibt es noch weitere Pläne.

Wie der Militärexperte Nico Lange auf X schreibt, sollen ukrainische Bataillons- und Brigadekommandeure unter dem neuen Armeechef umfassende Befugnisse erhalten, um operative Entscheidungen vor Ort zu treffen - "ohne langwierige Genehmigungsverfahren durch höhere Kommandostellen durchlaufen zu müssen".

Daneben soll zudem der Erhalt des Personals Vorrang bekommen. "Die Doktrin des 'Um jeden Preis-Haltens von Stellungen' soll durch eine Manöververteidigung ersetzt werden", schreibt Lange. Keine Einheit soll verpflichtet sein, eine Stellung zu halten, wenn dadurch die Gefahr einer Einkesselung oder ungerechtfertigter Verluste besteht.

Stellungen aufzugeben, wenn der Druck zu groß ist, praktiziert die Ukraine bereits seit Jahren. Auch der ehemalige Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj hatte dieses Vorgehen immer wieder betont. Er wurde aber auch dafür kritisiert, dass zu sorglos mit Soldatenleben umgegangen worden sei.

Ein neuer transparenter Bewertungsprozess für Kommandeure soll Offiziere aufdecken, die "keine Anpassungsfähigkeit und keine Sorge um ihre Truppen zeigen", so Lange. Sie werden demnach aus ihren Führungspositionen entfernt.

Technologie vor Infanterie

Das Erfolgsrezept der Ukraine in ihrem Abwehrkampf ist der Einsatz von Technologie wie Drohnen. Durch sie lässt sich die zahlenmäßige Unterlegenheit ausgleichen. Drapatyj dürfte diesen Bereich noch weiter vorantreiben. "Der Einsatz von Drohnen, elektronischen Kampfsystemen und Roboterplattformen soll bis auf Kompanie- und Bataillonsniveau ausgeweitet werden. Wann immer möglich, soll die Technologie den Auftrag erfüllen, bevor Infanterie eingesetzt wird", schreibt Lange.

Systeme wie kleine autonome Fahrzeuge, auf die Maschinengewehre geschraubt wurden, erhalten immer mehr Einzug in die Streitkräfte. Es ist gut möglich, dass es in diesem Bereich weitere bedeutende Fortschritte geben wird.

Zudem will Drapatyj den Soldaten auch mit bürokratischen Erleichterungen helfen. "Der Papierkram und die Verfahren zur Abschreibung beschädigter oder verlorener Ausrüstung werden für Einheiten, die an der Front im Einsatz sind, erheblich vereinfacht", so Lange.

Der Armeechef selbst teilte kürzlich in einem Gespräch mit dem Chef der Nato-Truppen in Europa, Alexus Grynkewich, seine Vision eines "Sieges der Ukraine" mit. Das derzeitige Eindringen der russischen Soldaten in die ukrainischen Verteidigungslinien müsse verhindert werden, so Drapatyj. "Wir arbeiten daran, die Verluste des Feindes an Kampfkraft zu erhöhen und gleichzeitig die kriegswirtschaftlichen Kapazitäten Moskaus zu schwächen. Um dies zu erreichen, setzen wir auf asymmetrische Ansätze und ukrainische Technologien."

Quelle: ntv.de, rog

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