Politik

Marcos-Dynastie kehrt zurück Diktatorensohn landet auf Philippinen Erdrutschsieg

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(Foto: AP)

Vor 36 Jahren wurden sie aus dem Land gejagt - jetzt ist die Rückkehr der Diktatorenfamilie Marcos an die Macht auf den Philippinen furios geglückt. Deren Spross Marcos Jr. gewinnt die Präsidentenwahl mit großem Vorsprung. Kritiker fürchten ein weiteres Abrutschen in die Autokratie.

Mit großem Vorsprung hat der Diktatorensohn Ferdinand Marcos Junior die Präsidentenwahl auf den Philippinen gewonnen. Dem am Dienstag bekanntgegebenen vorläufigen Ergebnis zufolge kam der auch unter seinem Spitznamen Bongbong bekannte 64-Jährige auf 56 Prozent der Stimmen. Er erhielt damit mehr als doppelt so viele Stimmen wie seine liberale Hauptrivalin, die amtierende Vizepräsidentin Leni Robredo.

Rund 67 Millionen Bürger waren am Montag zur Wahl eines Nachfolgers für den scheidenden Präsidenten Rodrigo Duterte aufgerufen. Der Politiker ist international wegen seines brutalen Kampfes gegen Drogenkriminalität umstritten. Laut Verfassung durfte er nach sechs Jahren nicht für eine zweite Amtszeit kandidieren. Allerdings gelang seiner Tochter, Sara Duterte, den vorläufigen Ergebnissen zufolge ein Erdrutschsieg bei der Wahl zur Vizepräsidentin. Das offizielle Wahlergebnis wird erst in einigen Wochen erwartet.

Marcos war im Wahlkampf in sozialen Netzwerken wie Tiktok und Youtube aktiv, wo er Millionen Follower hat. Dort lockte er vor allem junge Wähler - die keine Erinnerung an das Regime haben - mit einem verklärten Blick auf die Vergangenheit und dem Traum von einem vermeintlichen "goldenen Zeitalter". Bei allen Umfragen galt er im Vorfeld als klarer Favorit.

Gewalt überschattet Wahl

Überschattet wurde die Abstimmung von Gewalt, vor allem im Süden des Inselstaates. Hier kamen mindestens sechs Menschen ums Leben. Auch gab es teilweise Probleme mit defekten Stimmenzählmaschinen und fehlenden Namen auf Wählerlisten. "Trotz einiger Pannen und einiger Gewalt ist die Wahl aber im Allgemeinen gut verlaufen", sagte George Garcia von der Wahlkommission.

Politische Beobachter hatten im Vorfeld gewarnt, dass der südostasiatische Staat unter der Führung von "Bongbong" Marcos in eine noch autoritärere Richtung steuern könnte. Auch hat er bereits erklärt, den Kampf gegen Drogen fortführen zu wollen.

Das Marcos-Regime unter Ferdinand und seiner für ihren Schuhtick bekannten Frau Imelda machte einst mit Mord, Kleptokratie und dem spurlosen Verschwinden politischer Gegner von sich reden. Die beiden sollen im Laufe der Jahre auch Milliardensummen aus der Staatskasse abgezweigt haben. Nach der Flucht der Familie nach Hawaii wurden im Malacañang-Palast Hunderte Handtaschen und Kleider sowie Tausende Paar Schuhe von First Lady Imelda Marcos gefunden.

Quelle: ntv.de, kst/dpa/AFP

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