Politik
Samstag, 18. April 2015

Nach Germanwings-Absturz: Dobrindt lehnt Berufsverbot für Depressive ab

Nach dem mutmaßlich vorsätzlich herbeigeführten Absturz einer Germanwings-Maschine ist Bundesverkehrsminister Dobrindt gegen ein Berufsverbot für depressive Piloten. Denn ein solches setzte falsche Anreize. Auch andere Reformen hält er für falsch.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt spricht sich gegen Forderungen nach einem Berufsverbot für depressive Piloten als Konsequenz aus dem Germanwings-Absturz aus. "Ein höheres Risiko wäre es doch, wenn Anreize gesetzt werden, Depressionen zu verheimlichen", sagte er dem Berliner "Tagesspiegel".

Ein Berufsverbot könnte falsche Anreize setzen.
Ein Berufsverbot könnte falsche Anreize setzen.(Foto: dpa)

Depressionen seien "heute eine weit verbreitete Krankheit, die in den meisten Fällen gut heilbar ist. Deshalb sollten wir Betroffene ermutigen, sich dem Arzt gegenüber zu öffnen." Auch die ärztliche Schweigepflicht auszusetzen hält Dobrindt für keine gute Idee. "Ich glaube nicht, dass ein Aufheben der Schweigepflicht automatisch zu mehr Sicherheit führen würde." Die Schweigepflicht für Mediziner habe zu Recht "einen sehr hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft".

Die Germanwings-Maschine zerschellte am 24. März in den französischen Alpen. 150 Menschen starben. Die Auswertung von Stimmrekorder und Flugdatenschreiber ergab, dass der Copilot das Flugzeug vermutlich bewusst zum Absturz gebracht hat. Der Mann litt laut Ermittlern 2009 unter einer schweren Depression und war suizidgefährdet.

Daraufhin unterbrach er seine seine Pilotenausbildung für mehrere Monate. Die Depression galt schließlich als abgeklungen und die Ausbildung konnte mit einer Sondergenehmigung fortgesetzt werden. Danach wurde ihm mehrmals volle Flugtauglichkeit attestiert. Für den Tag des Absturzes war er krankgeschrieben, die ärztlichen Atteste lagen zerrissen in seiner Düsseldorfer Wohnung. Die Diagnose dieser Krankschreibung blieb bislang unveröffentlicht.

Quelle: n-tv.de

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