Politik

Sadismus beim Knabenchor Domspatzen erlebten "System der Gewalt"

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Bittet die Opfer um Vergebung: Rudolf Voderholzer, Bischof von Regensburg, auf der Pressekonferenz zur Gewalt bei den Regensburger Domspatzen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Sadismus, Übergriffe, sexuelle Gewalt: Zwei Studien durchleuchten skandalöse Praktiken bei den Regensburger Domspatzen. Die Forscher dokumentieren ein "abgeschlossenes System" der Grausamkeit. Eine Schuldzuweisung von Papst Benedikt an die laxe Pädagogik der 68er ist nicht haltbar.

Undurchsichtige Strukturen und unklare Verantwortlichkeiten haben die früheren Fälle von Missbrauch und Gewalt bei den Regensburger Domspatzen begünstigt. Zu diesem Ergebnis kommen zwei Studien im Auftrag des Bistums Regensburg. Von außen sei eigentlich keine Korrektur und Kontrolle möglich gewesen, sagte Martin Rettenberger von der Kriminologischen Zentralstelle (Krimz) in Wiesbaden bei der Vorstellung der Ergebnisse. Der berühmte Knabenchor und seine Schulen und Internate seien ein abgeschottetes soziales System gewesen, in dem sich eigene moralische Maßstäbe herausgebildet hätten.

Untersucht wurden die Jahre zwischen 1945 und 1995, aus historischer und aus sozialwissenschaftlicher Sicht. Der Historiker Bernhard Löffler von der Universität Regensburg sprach von einem System des Schweigens, zu dem kirchliche Stellen, aber auch staatliche Institutionen wie das Kultusministerium sowie Teile der Elternschaft beigetragen hätten. Der Erfolg des Chores sei wichtiger gewesen als das Wohlergehen der Schüler. Für kindgerechte Pädagogik habe sich niemand interessiert.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hatte den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche mit der 68er-Bewegung erklärt. Dieses Modell wies Historiker Löffler für den Knabenchor zurück. Die Gewalt bei den Domspatzen sei "deutlich überwiegend" mit Ausnahme eines Einzelfalls nicht Folge der 68er-Pädagogik, erläuterte Löffler.

Besonders schlimm war die Gewalt in der Vorschule mit Schülern der dritten und vierten Klasse. Das Ausmaß der psychischen Grausamkeiten und Übergriffe, die zum Teil auch sexualisiert waren, wurde erst 2010 bekannt. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer bat die Opfer erneut um Vergebung. Das Wichtigste sei jetzt die Prävention. So sehen es auch Vertreter der Betroffenen. Viele wünschten sich, dass Ruhe einkehre und die Domspatzen wieder für ausgezeichnete Musik stehen, sagte Opfervertreter Peter Schmitt.

Quelle: n-tv.de, mau/dpa/AFP

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