Politik

Sexismus in "Tichys Einblick" Dorothee Bär verlässt Ludwig-Erhard-Stiftung

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Dorothee Bär erklärt sich solidarisch.

(Foto: dpa)

Die Berliner Staatssekretärin Chebli klagt über "erbärmlichen" Sexismus gegen Frauen in der Politik. Einen Tag später verlässt Staatsministerin Bär eine Stiftung. Was ist geschehen?

Soziale Marktwirtschaft klingt ziemlich gut. Markt und sozial, also irgendwie gerecht, vielleicht auch gleichberechtigt. Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung, die diese Werte laut eigener Angabe "stärken" will, ist Roland Tichy. Der bekannte Rechtskonservative gibt seit ein paar Jahren sein eigenes Magazin heraus. Wegen des Vorsitzenden ist jetzt die Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär, aus der Stiftung ausgetreten. In "Tichys Einblick" seien "frauenverachtende und in höchstem Ausmaß sexistische Äußerungen gegenüber meiner Kollegin Sawsan Chebli" erschienen, begründete die CSU-Politikerin ihren Schritt im Gespräch mit dem "Handelsblatt".

Was war geschehen? Am Dienstag hatte zunächst die Berliner Staatssekretärin Chebli von der SPD zwei Fotos aus Tichys Magazin getwittert, eines davon mit einer Meldung über sie selbst. Dort ist über ihre Bemühungen um ein Bundestagsmandat zu lesen: "Befreundete Journalistinnen haben bislang nur den G-Punkt als Pluspunkt feststellen können in der Spezialdemokratischen Partei der alten Männer." Chebli bewirbt sich für eine Kandidatur in demselben Wahlkreis wie Berlins Regierender Bürgermeister und Parteigenosse Michael Müller. Die Staatssekretärin nannte die Fotos in ihrem Tweet als "ein besonders erbärmliches, aber leider alltägliches Beispiel von Sexismus gegen Frauen in der Politik".

Darauf hat Bär reagiert und ihren Austritt aus der Ludwig-Erhard-Stiftung erklärt. "Derartige Ausfälle sind unerträglich und mit den Zielen der Stiftung absolut unvereinbar", sagte sie. Ludwig Erhards Ansinnen wäre heute sicher nicht die Herabwürdigung von Frauen, sondern das Fördern weiblicher Karrieren: "Sofern die Stiftung einen Vorsitzenden hat, unter dessen Federführung solche Texte veröffentlicht werden, kann und will ich sie nicht weiter unterstützen. Es zeigt eine gesellschaftspolitische Geisteshaltung, die ich nicht akzeptiere."

Chebli bedankte sich via Twitter bei Bär für deren "klare Haltung" und schrieb: "Wir dürfen nicht länger Sexismus hinnehmen. Wir brauchen aber auch die Männer, die mit uns an einem Strang ziehen."

Quelle: ntv.de, rpe/dpa

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