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Verfassungsschutz warnt vor einem Dutzend Rückkehrer Wenn "Dschihad-Touristen" heimkommen

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Aus Deutschland sollen 300 Dschihadisten nach Syrien gereist sein. Ein Dutzend ist auch schon wieder zurück. Im Bild: Anhänger des radikal-islamischen Predigers Pierre Vogel in Frankfurt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Solange Deutsche in Syrien kämpfen, können sie zumindest hierzulande keinen Schaden anrichten. Doch der Verfassungsschutz warnt: Ein Dutzend der bis jetzt Zurückgekehrten ist unberechenbar. Auch arabische Staaten erkennen langsam die Gefahr.

Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen sieht die Gefahr von Anschlägen sogenannter "Dschihad-Touristen", die aus dem Syrienkrieg nach Deutschland zurückkehren. Dem Verfassungsschutz lägen Informationen zu etwa einem Dutzend Islamisten vor, die "radikalisiert und kampferprobt" aus Syrien zurückgekommen seien. "Damit wächst die Gefahr terroristischer Handlungen auch in Deutschland", sagte Maaßen.

Der Strom radikalislamischer Dschihadisten aus Deutschland in Richtung Syrien steige kontinuierlich an. "Mittlerweile sind bereits etwa 300 Islamisten ausgereist", sagte der Verfassungsschutzpräsident. Nach Informationen der Behörde handelt es sich dabei vor allem um jüngere Männer mit arabischem oder türkischem Hintergrund. Konkrete Anschlagspläne in Deutschland sind allerdings noch nicht entdeckt worden, heißt es dazu in Sicherheitskreisen. Insgesamt sollen bislang etwa 20 bis 30 Männer wieder nach Deutschland gereist sein.

Mit dem Dschihad-Taxi nach Syrien

Nach Einschätzung deutscher Sicherheitskreise ist Syrien derzeit "der attraktivste Dschihad-Schauplatz". Anders als frühere islamistische Brennpunkte wie Afghanistan und Irak ist Syrien billig und einfach zu erreiche n, nämlich über das Transitland Türkei. Es gebe ein regelrechtes "Pendeln" über die türkisch-syrische Grenze. Offenbar gibt es starke Indizien dafür, dass die Männer auch an Bord von Konvois mit humanitärer Hilfe in das Land gelangen. In Berliner Sicherheitskreisen ist von "Dschihad-Taxis" die Rede: Unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe gelangten Material und radikalislamische Kämpfer aus Deutschland nach Syrien. Dies sei "mehr als nur eine Mutmaßung". Es gebe hier bereits laufende Ermittlungsverfahren.

Die Verfassungsschützer beobachten eine Wechselwirkung zwischen der deutschen Islamisten-Szene und dem Konflikt in Syrien, das zum Schlachtfeld radikalislamischer Gruppen unterschiedlicher Couleur geworden ist. Im islamistischen Milieu in Deutschland trügen die Syrien-Rückkehrer dann zur Mobilisierung und weiteren Radikalisierung bei. "Sie haben den Heldenstatus der Fronterfahrung", meinen Kenner der Szene. Dieser Status werde genutzt zur Rekrutierung weiterer Kämpfer für radikalislamische Gruppen in Syrien.

Arabische Staaten drohen Kämpfern

Der "Dschihad-Tourismus" nach Syrien beunruhigt zunehmend auch arabische Staaten, die den Strom sunnitischer Kämpfer in das Bürgerkriegsland lange Zeit wohlwollend beobachtet oder sogar aktiv gefördert haben. Der kleine arabische Golfstaat Bahrain warnt seine Bürger nun dringend davor, in den syrischen Bürgerkrieg zu ziehen. Das Innenministerium in Manama droht mutmaßlichen Dschihadisten offen mit einem Reiseverbot und strafrechtlichen Konsequenzen. "Wir verfolgen die Entwicklung der Lage in Syrien und die Tatsache, dass einige bahrainische Bürger dorthin gegangen sind, um zu kämpfen, mit großer Sorge", erklärte das Ministerium.

Bislang konnten radikale Salafisten in Bahrain weitgehend ungehindert Geld für den Kampf gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad sammeln. In Syrien schließen sich die arabischen Kämpfer in der Regel einer der mehr als 200 radikalislamischen Kampfgruppen an, die insgesamt schätzungsweise 100.000 Mann zählen. Eine der größten darunter ist die "Islamische Front", die von Saudi-Arabien unterstützt wird.

Doch auch das wahhabitische Königreich ändert seine Politik gegenüber den ausgereisten Dschihadisten. Der saudische König Abdullah hat verkündet, wer sich an bewaffneten Konflikten im Ausland beteilige, müsse nach seiner Rückkehr mit einer Gefängnisstrafe zwischen 3 und 20 Jahren rechnen. Beobachter vermuten, dass der Monarch mit seinem Dekret zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen wollte: Er wehrt sich gegen den Vorwurf, das saudische Herrscherhaus fördere den "Dschihad" in Syrien. Gleichzeitig übermittelt er den bereits in Syrien kämpfenden Saudis, die nach ihrer Rückkehr eine Gefahr für die Stabilität seines Königreiches darstellen könnten, die Botschaft: Bleibt bloß, wo ihr seid, sonst landet ihr im Gefängnis!

Quelle: ntv.de, nsc/dpa/AFP