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Trump will wohl noch nachdenken EU-Minister atmen im Auto-Zollstreit durch

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Die deutschen Autohersteller wären durch die Sonderzölle besonders hart getroffen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im Februar dieses Jahres bewertet das US-Handelsministerium ausländische Autoimporte als Bedrohung für die nationale Sicherheit. Entsprechende Zölle auf Einfuhren aus der EU sollten an diesem Samstag verkündet werden. Doch US-Präsident Trump zögert wohl. In der EU kommt diese Nachricht gut an.

Im Kreis der Euro-Finanzminister herrscht Erleichterung über die erwartete Verschiebung von Autozöllen durch US-Präsident Donald Trump. "Es ist eine sehr gute Nachricht, dass es die Chance gibt, Gespräche fortzuführen, um eine gemeinsame Lösung zu finden", sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz beim Treffen mit seinen Amtskollegen in Brüssel.

Auch Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire zeigte sich erfreut. "Das ist eine weise Entscheidung", sagte er. Jegliche Art von Sanktionen und Handelsstreitigkeiten sollte vermieden werden, um dem globalen Wachstum nicht zu schaden. Die größte Gefahr für die Weltwirtschaft sei ein Handelskrieg.

Das US-Handelsministerium hatte im Februar ausländische Autoimporte als Bedrohung für die nationale Sicherheit bewertet. Damit wären ab diesem Samstag Strafzölle möglich. Am gestrigen Mittwoch war allerdings bekannt geworden, dass Trump seine am Wochenende anstehende Entscheidung über die Einführung von Zöllen auf Autoimporte aus der EU wohl um bis zu sechs Monate verschieben will. Trump wolle zunächst Handelsgespräche mit der EU und Japan abwarten, meldete die Finanznachrichtenagentur Bloomberg.

Trump ist die Handelspolitik mit der EU seit geraumer Zeit ein Dorn im Auge. Aus seiner Sicht können etwa europäische Autobauer einfach in die USA exportieren, während es für US-Firmen umgekehrt schwieriger ist.

Vergeltungsliste gibt es bereits

In der Tat erhebt Europa im Durchschnitt etwas höhere Zölle als die USA. Der Welthandelsorganisation (WTO) zufolge liegt der EU-Schnitt bei etwa 5 Prozent, in den USA werden im Schnitt 3,4 Prozent fällig. Auch wenn man die Zollsätze für einzelne Güter mit den importierten Mengen gewichtet, liegt Europa höher. Dieser gewichtete Zollsatz beträgt für die EU in der Summe 3,0 Prozent, in den USA sind es 2,4 Prozent.

Für einzelne Produktgruppen gibt es noch größere Unterschiede. Auf Autos erhebt die EU etwa zehn Prozent Einfuhrzoll. Die deutschen Hersteller wären durch die Sonderzölle besonders hart getroffen. Sie haben einen großen Anteil an den EU-Exporten in die USA. Außerdem haben Hersteller wie VW, Daimler und BMW sowie Zulieferer eigene Standorte in den USA. Von denen aus beliefern sie unter anderem den chinesischen Markt.

Die EU-Kommission hat bereits eine Liste mit US-Produkten fertiggestellt, die bei der Verhängung von Strafzöllen auf europäische Autos ihrerseits mit Einfuhraufschlägen belegt würden. Nach Angaben von EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström geht es dabei um ein Handelsvolumen im Wert von 20 Milliarden Euro. Die EU und die USA wollen ihren Konflikt durch ein umfassendes Handelsabkommen zu Industriegütern lösen.

Scholz: Probleme sind "menschengemacht"

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Die EU-Staaten hatten für die Aufnahme von Gesprächen Mitte April grünes Licht gegeben. Frankreich stimmte allerdings dagegen. Le Maire bekräftigte nun die französische Position, keine Handelsgespräche mit Ländern zu führen, die das Pariser Klimaabkommen nicht anerkennen. Zudem fürchtet Frankreich, dass Trump auf die Ausweitung des Abkommens auf Agrargüter dringen könnte.

SPD-Politiker Scholz verwies beim Treffen der Euro-Finanzminister drauf, dass mehr Handel und nicht neue Handelshindernisse wichtig für eine "sehr gute Entwicklung der Weltwirtschaft" seien. Er bezeichnete die aktuellen Probleme der Weltwirtschaft als "menschengemacht". Es gebe viele Spannungen im Handelsbereich rund um den Globus. "Wenn wir sie lösen, würde das eine große Wirkung auf die Welt haben."

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa/AFP

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