Politik

Neue Pharma-Strategie EU will sich gegen Arznei-Engpässen wappnen

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Die EU erarbeitet eine eigene Pharmastrategie.

(Foto: imago images/Le Pictorium)

Mehr Produktion in der EU, zusätzliche Lieferanten und bessere Abstimmung untereinander: Die EU-Länder wollen Lehren aus der Corona-Pandemie ziehen. Hektische Beschaffungen massenhaft fehlender Güter wie im Frühjahr sollen sich nicht wiederholen müssen.

Angesichts der Corona-Pandemie will sich die EU besser gegen Versorgungsengpässe bei Medikamenten wappnen. "Wir wollen nie mehr die Probleme sehen, die wir in den ersten Wochen der Pandemie hatten", sagte Vize-Kommissionspräsident Margaritis Schinas. Eine neue Pharma-Strategie soll demnach der EU "strategische Autonomie" geben und eine sichere und erschwingliche Versorgung mit medizinischen Gütern sicherstellen.

Zu Beginn der Corona-Krise hatte es massive Versorgungsengpässe bei Schutzausrüstung wie Masken gegeben, aber auch Befürchtungen zur Verknappung bei wichtigen Medikamenten. Grund war die Stilllegung weiter Teile der Produktionskapazitäten in wichtigen Herstellerländern wie China oder Indien, um die Pandemie zu bekämpfen. 

Rückverlagerung und mehr Lieferanten

"Wir müssen uns auf uns selbst stützen können, nicht auf andere", nannte Schinas als Lehre aus der Pandemie. Die Ursachen für Abhängigkeiten seien aber vielfältig. Der Ruf nach strategischer Autonomie im Pharmabereich dürfe auch nicht dazu dienen, "Protektionismus durch die Hintertür" zu betreiben.

Wie die Behörde erläuterte, geht es nicht nur um die Rückverlagerung oder Neuansiedlung von Produktionskapazitäten nach Europa. Auch eine stärkere Diversifizierung der Lieferquellen oder "strategische Lagerhaltung" wichtiger Medikamente könnten Instrumente sein, um Engpässe zu vermeiden.

Die Kommission will nun zunächst über Studien und einen Dialog mit der Industrie und Politik Schwächen in den globalen Lieferketten für wichtige Medikamente oder ihre Rohstoffe identifizieren. 2022 will sie dann einen Vorschlag für die grundlegende Überarbeitung der europäischen Pharma-Gesetzgebung vorlegen.

33.000 Tote wegen fehlender wirksamer Antibiotika

Zudem wirbt die Kommission für mehr Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten bei der Beschaffung und der Preispolitik und will Forschung und Entwicklung im Gesundheitsbereich fördern - etwa mit Blick auf spezielle Arzneimittel für Krebserkrankungen bei Kindern oder gegen seltene Krankheiten.

Weiterer Schwerpunkt ist die Suche nach Alternativen wegen Resistenzen bei Antimikrobiotika. EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides zufolge sterben jedes Jahr rund 33.000 Menschen in der EU, weil keine wirksamen Antibiotika zur Verfügung stehen.

Die Grünen forderten die Kommission auf, auch die Kosten in den Blick zu nehmen, wenn Arzneimittelforschung durch öffentliche Gelder gefördert werde. Die EU ist der zweitgrößte Markt für Arzneimittel weltweit. Die Ausgaben dafür beliefen sich laut Kommission im Jahr 2018 auf 190 Milliarden Euro, wobei Ausgaben in Krankenhäusern noch nicht eingerechnet sind. Gleichzeitig ist die Pharmaindustrie mit 800.000 Mitarbeitern ein wichtiger Wirtschaftszweig.

Quelle: ntv.de, jwu/AFP