Politik

"Postenschacherei" kritisiert Ehefrau von Ex-MP in Ministerium berufen

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Britta und Erwin Sellering sind seit 2010 verheiratet.

(Foto: imago/BildFunkMV)

Die Qualifikation für ihren neuen Job spricht ihr niemand ab. Dennoch löst der Wechsel von Britta Sellering ins SPD-geführte Finanzministerium in Mecklenburg-Vorpommern Kritik aus. Das liegt vor allem an der früheren Funktion ihres Ehemanns.

Die Ehefrau von Mecklenburg-Vorpommerns Ex-Ministerpräsidenten Erwin Sellering, Britta Sellering, ist überraschend ins Finanzministerium des Bundeslandes berufen worden. Ab Mitte August leitet die SPD-Politikerin das Büro ihres Parteikollegen und amtierenden Finanzministers Reinhard Meyer, wie das Ministerium in Schwerin mitteilte.

Die Personalie rief Kritik der Opposition hervor. Linke-Fraktionschefin Simone Oldenburg kommentierte die Entscheidung mit den Worten: "Machterhalt statt Politik." Die AfD sprach von einer "Posten-Mafia SPD". Meyer war lange Zeit Staatskanzlei-Chef unter Erwin Sellering. In dieser Funktion war er auch für die aktuelle Ministerpräsidentin Manuela Schwesig vor seinem Wechsel ins Finanzministerium tätig.

Oldenburg kritisierte die Personalentscheidung als Postenschacherei und einen weiteren Schritt hin zu einem "Familienunternehmen Landesregierung". Die Qualifikation von Britta Sellering stehe nicht zur Diskussion, betonte die Chefin der Linksfraktion. "Aber es hat einen faden Beigeschmack, wenn sie selbst ihr Können unter den Scheffel stellt und auf solche Dienstleistungen angewiesen ist." Der Vorsitzende der AfD-Fraktion, Nikolaus Kramer, forderte: "Nahe Verwandte von Ministern sollen nicht als abhängig Beschäftigte in Spitzenpositionen angestellt werden dürfen."

Britta Sellering sei eine ausgewiesene Finanzexpertin, die insbesondere bei den Bund-Länder-Finanzbeziehungen und den Kommunalfinanzen großes Wissen mitbringe, teilte hingegen das Ministerium mit. Die 43-Jährige ist seit 2010 verheiratet und lebt mit Ehemann Erwin und dem gemeinsamen Sohn in Schwerin. Zuletzt arbeitete sie im Bundesfinanzministerium in Berlin, für das sie schon vor ihrer Ehe tätig gewesen war.

Schwesig besetzt Spitzenposten mit Vertrauten

Nach der Geburt ihres Sohnes hatte sie auf dem Wege einer Abordnung zwischenzeitlich für den Landesrechnungshof in Schwerin gearbeitet. Das Verfahren der Übernahme hatte damals wegen angeblicher Vetternwirtschaft massive Kritik ausgelöst, die fachlichen Fähigkeiten von Britta Sellering waren aber nicht angezweifelt worden.

Ministerpräsidentin Schwesig hatte in den vergangenen Monaten mehrere Spitzenposten mit engen Vertrauten besetzt, was umstritten war. Aus Berlin holte sie die neue Bildungsministerin Bettina Martin, die zuvor für Schwesig im Bundesfamilienministerium gearbeitet hatte. Auch der neue Staatskanzleichef Heiko Geue ist einst für Schwesig im Bundesfamilienministerium tätig gewesen. Die Ministerpräsidentin war von 2013 bis 2017 in der Bundespolitik tätig. Sie übernahm von Erwin Sellering, der an Krebs erkrankt war, das Amt als Landeschefin.

Ende April dieses Jahres war der Vorgänger von Meyer als Finanzminister, Mathias Brodkorb, zurückgetreten. Der SPD-Politiker begründete seinen Schritt seinerzeit mit erheblichen Differenzen in finanzpolitischen Fragen zwischen ihm und Schwesig, die er nicht mehr mit seinen Überzeugungen habe vereinbaren können. Konkreter Anlass für seinen Rücktritt seien aber "deutliche Meinungsverschiedenheiten" darüber gewesen, wie Posten, die zur Besetzung im Ministerium anstünden, vergeben würden und was dabei Leistung und Befähigung bedeuteten.

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa

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