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In Höß' Auto aus KZ geflohen Ehemaliger Auschwitz-Häftling ist tot

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In Auschwitz töteten die Deutschen rund 1,1 Millionen Menschen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ihm gelang eine der spektakulärsten Fluchten vor den Nazis: Kazimierz Piechowski entkam 1942 in SS-Uniform dem Vernichtungslager Auschwitz - im Dienstwagen des Lagerkommandanten Rudolf Höß. Nun ist er gestorben.

Der polnische Holocaust-Überlebende Kazimierz Piechowski, der 1942 in einem gestohlenen Fahrzeug der SS aus dem Vernichtungslager Auschwitz entkam, ist tot. Wie das Institut für Nationales Gedenken INR mitteilte, starb Piechowski im Alter von 98 Jahren in der Hafenstadt Danzig. Ihm gelang 1942 zusammen mit drei Mithäftlingen eine der spektakulärsten Fluchten während des Zweiten Weltkriegs.

"Beim geringsten Ungehorsam gaben die SS-Leute 25 Schläge." (Foto: v.l.n.r.: Auschwitz-Kommandant Richard Baer, Lagerarzt Mengele und Rudolf Höß, ehemaliger Lager-Kommandant)

Auschwitz-Kommandant Richard Baer, Lagerarzt Mengele und Rudolf Höß (v.l.n.r.)

Die vier besorgten sich Uniformen und Waffen der SS und verließen das KZ-Gelände im Dienstwagen des Lagerkommandanten Rudolf Höß, einem Steyr 220. Bei der Ausweiskontrolle soll Piechowski die Wachen auf Deutsch angebrüllt haben: "Wacht auf, ihr Wichser! Macht das Tor auf oder ich mache euch auf." Es funktionierte, das Wachpersonal ließ die vier ohne weitere Kontrollen ziehen.

"Manche Leute erzählen die Geschichte, dass wir, als wir frei waren, Höß eine Postkarte geschickt hätten, um ihm für das Auto zu danken", sagte Piechowski vor einigen Jahren dem INR. "Die Wahrheit ist, dass wir so etwas niemals getan haben."

Bei sich hatten sie einen Bericht über die Zustände in Auschwitz, der für den polnischen Widerstand im Exil bestimmt war. Piechowski schloss sich später der polnischen Heimatarmee im Untergrund (AK) an.

Häftlingsnummer 918

Piechowski war nach der deutschen Besetzung Polens verhaftet worden, als er auf seiner Flucht versuchte, die Grenze nach Ungarn zu überqueren. Die Nationalsozialisten steckten ihn ins Gefängnis. Im Juni 1940 wurde er zur Zwangsarbeit in das neu errichtete Konzentrationslager Auschwitz gebracht. Dort erhielt er die Häftlingsnummer 918.

Als der Name eines Freundes auf einer Todesliste auftauchte, fasste Piechowski den Plan zu fliehen. Ihm und den Mithäftlingen Stanislaw Gustaw Jaster, Jozef Lempart und Eugeniusz Bendera gelang es, die Tür zu einem Lagerraum mit SS-Uniformen aufzubrechen. Sie zogen sich diese an, und mit einem Zweitschlüssel des Steyr 220 konnten sie durch das Haupttor des KZ fliehen.

Nach dem Krieg studierte Piechowski an der Universität Danzig und wurde Ingenieur. Das Entkommen des Quartetts aus dem KZ Auschwitz wurde 2007 vom polnischen Regisseur Marek Pawlowski in dem Dokumentarfilm "Die Flucht" festgehalten - mit Piechowski in einer der tragenden Rollen. Piechowski verfasste zwei Bücher über seine Erlebnisse in Auschwitz.

Quelle: n-tv.de, ghö/AFP

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