Politik

Eine Chronik in KartenSo entwickelt sich der Krieg im Nahen Osten

02.03.2026, 19:25 Uhr
imageVon Lukas Wessling, Laura Stresing und Martin Morcinek (Grafiken)
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Am Samstagmorgen entladen sich wochenlange diplomatische Spannungen mit Waffengewalt: In Teheran und anderen iranischen Städten sind Explosionen zu hören, Rauch steigt auf. In der Folge treffen Raketen und Drohnen auch Israel und mehrere Golfstaaten, später gar Zypern. Karten zeigen, wie sich der Konflikt innerhalb von drei Tagen entwickelt hat.

Es ist 9:40 Uhr im Iran, helllichter Tag, als in Teheran am Samstag die ersten Raketen einschlagen. Über dem Anwesen des Ajatollah Ali Chamenei, dem ersten Mann im Staat, steigt Rauch auf. Israels Premier Benjamin Netanjahu verkündet später in einer Videobotschaft, man habe Chameneis Wohnsitz zerstört.

Auch aus anderen Teilen des Landes werden Explosionen gemeldet. Mehr als tausend iranische Ziele habe man am ersten Kriegstag angegriffen, teilt das US-Militär später mit. Von rund 500 Zielen spricht die israelische Armee. Besonders schwer trifft es die Südküste, den Osten des Landes, sowie die Hauptstadt Teheran und Isfahan mit seinem Atomtechnik-Zentrum. Mehrere Militärbasen, Munitionsdepots und Marinestützpunkte werden beschädigt. Laut iranischen Staatsmedien sterben im Süden des Landes durch einen Raketenangriff 165 Kinder in einer Mädchenschule.

Israel und die USA versuchen offenbar, die Führungsriege des Irans auszuschalten, mit großem Erfolg, wie sich im Laufe des Tages zeigen wird. Die Verbündeten nutzen den Überraschungseffekt auch dafür, möglichst viel militärische Infrastruktur zu zerstören und so die Möglichkeiten des Iran zur Gegenwehr zu beschränken.

Rund zwei Stunden nach den ersten israelischen Angriffen kündigt das iranische Militär dennoch Gegenschläge an. Es muss sich seine Kräfte einteilen, schätzen Experten. In Israel erscheinen Warnmeldungen auf den Handys, Sirenen heulen. Am Mittag ruft Israel nach einer zweiten Angriffswelle den Notstand aus, schließt Schulen und Arbeitsstätten, verbietet Versammlungen und verlegt Patienten in Schutzräume; das Militär zieht Reservisten ein.

Zur selben Zeit melden Kuwait, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Jordanien abgefangene iranische Raketen; aus Abu Dhabi wird ein Todesopfer gemeldet. In Bahrain wird nach Behördenangaben ein Servicezentrum der US-Flotte getroffen. Später bestätigt auch Saudi-Arabien Angriffe auf Riad und die Ostprovinz. Das Auswärtige Amt verschärft Reise- und Sicherheitshinweise für weite Teile der Region.

Am Abend erklärt sich die Hisbollah solidarisch mit dem Iran, lässt eine direkte Beteiligung aber offen. Zugleich häufen sich Hinweise auf Störungen der Schifffahrt: Es gibt Funksprüche über eine Sperrung der Straße von Hormus, einige Transporte werden ausgesetzt; Flüge in die Region fallen in großer Zahl aus.

Mittlerer OstenIranische Angriffe

Israel hat eine starke Raketenabwehr, Luftschutzräume sind fast allen Menschen zugänglich. Trotzdem stirbt am Samstagabend in Tel Aviv eine Frau durch Splitter einer abgewehrten iranischen Rakete. Nach israelischer Zählung werden am ersten Kriegstag mehr als 100 Menschen verletzt. Im Iran dagegen gibt es kaum Schutz, viele fliehen: Tagsüber bilden sich in Teheran lange Schlangen an Tankstellen. Viele wollen die Hauptstadt verlassen. Die humanitäre Hilfsorganisation Roter Halbmond spricht von 201 Toten und mehr als 700 Verletzten.

Nachts meldet Dubai vier Verletzte bei einem Zwischenfall am Internationalen Flughafen. Das israelische Militär startet nach eigenen Angaben eine weitere Angriffswelle auf den Iran; Ziel sind Irans ballistische Raketen- und Luftabwehrsysteme.

Sonntag

Am Morgen des zweiten Kriegstages melden Augenzeugen weitere Explosionen in Dubai und Katar. Katar spricht von 16 Verletzten seit Kriegsbeginn. Die Vereinigten Arabischen Emirate melden 3 Tote und 58 Verletzte; Kuwait einen Toten und 32 Verletzte. Die Emirate berichten von massiven Raketen- und Drohnenangriffen, wollen allerdings die meisten abgefangen haben.

Es ist nicht direkt eine Kriegshandlung, aber doch eine Folge der Angriffe auf den Iran: In Pakistan kommt es zu Protesten vor einem US-Konsulat, ein Auto wird in Brand gesetzt, die Polizei drängt die Demonstranten zurück, neun Menschen kommen ums Leben. An vielen Orten in Pakistan, Indien und im Irak trauern Menschen um den verstorbenen Ajatollah Chamenei.

Parallel spitzt sich die Lage auf See zu: In und um die Straße von Hormus werden mehrere Angriffe auf Handelsschiffe gemeldet; auf dreien brennt es demnach, ein Besatzungsmitglied stirbt. Mindestens 150 Tanker stauen sich vor der Meerenge.

Am Nachmittag meldet das US-Militär, es habe ein iranisches Kriegsschiff im Golf von Oman versenkt. Die iranischen Revolutionsgarden erklären, sie hätten drei Tanker aus den USA und Großbritannien im Golf und in der Straße von Hormus getroffen. Später heißt es in einem Bericht, Iran habe auch Militärbasen im Irak und in Jordanien angegriffen, in denen die Bundeswehr stationiert ist.

Bis zum Abend steigt nach Einschätzung einer US-Denkfabrik die Zahl der Attacken von USA und Israel gegen den Iran auf über 2000. Sie treffen Einrichtungen von Polizei, Justiz, Medien sowie Stützpunkte der Revolutionsgarden. Die beiden Kriegspartner knöpfen sich die Infrastruktur vor, die das Regime stützt, und erlangen laut israelischen Angaben die Lufthoheit über den Iran. Zugleich melden die USA drei getötete Soldaten im Einsatz sowie weitere Verletzte.

Iran verlagert einen Teil seiner Antwort auf das, was global wirkt: Über die Straße von Hormus übt es Druck auf den internationalen Handel aus, verursacht dadurch verteuertes Öl und Gas. Der Rote Halbmond spricht mittlerweile von mindestens 555 Toten in der Islamischen Republik. Angaben aus Teheran zufolge sind landesweit mehr als 100.000 Rettungskräfte im Einsatz.

In der Nacht feuert die Hisbollah Raketen auf Israel an und begründet den Angriff mit Chameneis Tod. Israel reagiert mit Luftangriffen auf Beirut und andere Gebiete im Libanon und spricht von Treffern gegen ranghohe Milizionäre.

Montag

Am Morgen des dritten Kriegstages wird der britische Luftwaffenstützpunkt Akrotiri auf Zypern laut Berichten von einer Drohne getroffen. Verletzte gibt es demnach nicht. Später heulen erneut Sirenen, Kampfflugzeuge starten. Mit dem Drohneneinschlag erreicht der Krieg Europa: Zypern ordnet Evakuierungen rund um Akrotiri und für den Flughafen Paphos an. Bis zum Mittag werden weitere Drohnen abgefangen.

Ebenfalls am Morgen bricht in der saudi-arabischen Raffinerie Ras Tanura ein Feuer durch Trümmer abgeschossener Drohnen aus, geben Behörden an. Ein Insider berichtet, Aramco fahre die Raffinerie nach dem Angriff herunter.

In Kuwait sind den dritten Tag in Folge Explosionen zu hören. Nach erneuten Luftangriffen steigt Rauch aus der US-Botschaft auf. Die ruft dazu auf, sie nicht aufzusuchen. Zudem meldet das US-Zentralkommando, das auch für den Nahen Osten verantwortlich ist, Kuwaits Luftabwehr habe versehentlich drei US-Kampfjets abgeschossen. Alle Besatzungsmitglieder retten sich.

Am Nachmittag melden die Golfstaaten weitere Abwehr- und Vergeltungsmaßnahmen. Bahrain spricht von einer neuen abgefangenen Angriffswelle. Katar erklärt, es habe unter anderem Attacken auf seinen Flughafen abgefangen und kündigt Konsequenzen an. Außerdem teilt Katar mit, es habe "erfolgreich zwei aus dem Iran kommende Kampfjets abgeschossen" und weitere Raketen sowie Drohnen abgefangen. Vor Omans Küste wird ein Öltanker von einem mutmaßlich iranischen Drohnenboot getroffen; ein Besatzungsmitglied stirbt, die anderen werden in Sicherheit gebracht.

Kurz vor einem Auftritt im Weißen Haus äußert sich US-Präsident Donald Trump bei CNN. Die USA würden die iranische Führung "windelweich prügeln", sagt er. Er kündigt an, "die große Welle" der Angriffe komme erst noch. Den Einsatz von Bodentruppen schließt er nicht aus.

Quelle: ntv.de

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