Politik
Die Trennung der Kinder von ihren Eltern hatte international für einen Aufschrei gesorgt.
Die Trennung der Kinder von ihren Eltern hatte international für einen Aufschrei gesorgt.(Foto: REUTERS)
Sonntag, 24. Juni 2018

Umstrittene US-Praxis beendet: Einwandererkinder wieder bei ihren Eltern

Eltern in Haft, Kinder in Auffanglager, so wollte US-Präsident Trump illegale Einwanderer abschrecken. Doch die Familientrennungen werden so hart kritisiert, dass Trump eine Kehrtwende vollzieht. Inzwischen gibt es viele Wiedersehen.

Die US-Behörden haben Hunderte Kinder von Einwanderern an ihre Eltern zurückgegeben, von denen sie nach der Einreise getrennt worden waren. Mehr als 500 Kinder seien mit ihren Familien zusammengeführt worden, teilte das Heimatschutzministerium in Washington mit. Auch die übrigen rund 1800 Kinder, die ihren Eltern nach dem illegalen Grenzübertritt weggenommen worden waren, sollten wieder zu ihren Familien zurückkehren.

Eine kleine Anzahl von Kindern werde von ihren Familien getrennt bleiben, etwa wenn die Verwandtschaft nicht bestätigt werden könne, der Erwachsene eine Gefahr für das Kind darstelle oder kriminell sei. Die Regierung habe alle betroffenen Kinder ausfindig gemacht, erklärte das Ministerium. "Die Regierung arbeitet daran, sie mit ihren Familien zu vereinen." Keine Angaben machte das Ministerium zu der Frage, bis wann das geschehen soll. Migrationsanwälte klagen über hohe bürokratische Hürden bei der Zusammenführung.

Auf Anordnung der Regierung von US-Präsident Donald Trump waren Einwandererfamilien an der Grenze zu Mexiko in den vergangenen Monaten getrennt worden: Die Eltern kamen in Haftanstalten, ihre Kinder in Auffanglager. Das Vorgehen stieß im In- und Ausland auf heftige Kritik. Trump vollzog daraufhin eine Kehrtwende und hob die Familientrennungen am Mittwoch per Dekret auf.

Task Force im Einsatz

Die US-Seite "Politico" berichtete unter Berufung auf ein internes Dokument, das US-Gesundheitsministerium habe eine Task-Force für die Zusammenführung getrennter Familien eingerichtet. Dies habe Minister Alex Azar angeordnet. In dem Dokument heiß es demnach, die Abteilung für Notfalleinsätze solle die Flüchtlingsabteilung bei der Familienzusammenführung unterstützen.

Mehrere Kongressabgeordnete der oppositionellen Demokraten besuchten am Samstag Einrichtungen, in denen Migrantenkinder getrennt von ihren Eltern festgehalten wurden. Die kalifornische Abgeordnete Barbara Lee kritisierte Trumps Einwanderungspolitik als "barbarisch". Nach dem Besuch in der Hafteinrichtung in McAllen im Bundesstaat Texas sagte sie: "Die Kinder sind traumatisiert." Die demokratische Abgeordnete Jackie Speier berichtete nach ihrem Besuch, sie habe "fünfjährige Kinder gesehen, die von ihren Eltern getrennt waren und geweint haben". Die Kinder seien "in Zellen und in Käfigen" festgehalten worden.

In mehreren US-Städten waren am Wochenende Protestaktionen gegen die Flüchtlingspolitik der Regierung geplant, im kalifornischen San Diego gingen am Samstag rund 1500 Menschen auf die Straße.

Quelle: n-tv.de