Politik

Vance teilt "Attentäter"-PostEltern des von ICE Getöteten werfen US-Regierung "abscheuliche Lüge" vor

25.01.2026, 07:12 Uhr
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Nach dem Vorfall kam es landesweit erneut zu Protesten gegen das Vorgehen der ICE-Behörde. (Foto: picture alliance / Anadolu)

In Minneapolis wird Alex Pretti von ICE-Beamten erschossen. Von der US-Regierung heißt es prompt, der Getötete sei bewaffnet gewesen - das Weiße Haus nennt ihn "Attentäter". Prettis Eltern sprechen von einer Lüge - und machen den Behörden schwere Vorwürfe.

Die Eltern des bei einem Einsatz von Bundesbeamten der US-Einwanderungsbehörde ICE in Minneapolis erschossenen Mannes werfen den Einsatzkräften vor, ihren Sohn ohne legitimen Grund erschossen zu haben. Die Regierung, die die Schüsse eines Beamten als Notwehr bezeichnet hatte, lüge, heißt es in einer Stellungnahme der Familie von Alex Pretti, die von mehreren US-Medien veröffentlicht wurde. Anders als behauptet habe der 37-jährige Krankenpfleger keine Bedrohung für die Beamten dargestellt, als er von den Einsatzkräften attackiert wurde.

"Die abscheulichen Lügen, die die Regierung über unseren Sohn verbreitet, sind verwerflich und widerwärtig", heißt es in der Stellungnahme weiter. "Alex hält eindeutig keine Waffe in der Hand, als er von Trumps mordenden und feigen ICE-Gangstern angegriffen wird." Er habe lediglich versucht, eine von einem ICE-Beamten zu Boden gebrachte Frau zu schützen und sei mit Pfefferspray besprüht worden, bevor die Schüsse fielen. Die Wahrheit müsse ans Licht gebracht werden.

Pretti war US-Staatsbürger und wurde im Bundesstaat Illinois geboren. Laut US-Medien zeigen Gerichtsunterlagen, dass er keine Vorstrafen hatte. An den Protesten habe Pretti teilgenommen, weil er sehr aufgebracht gewesen sei über das, was in Minneapolis und in den gesamten USA mit ICE geschieht, erklärte Vater Michael Pretti der Nachrichtenagentur Associated Press (AP). "Er fand es furchtbar - Kinder zu entführen, Menschen einfach von der Straße wegzuholen. Er sorgte sich um diese Menschen und wusste, dass das falsch war. Deshalb nahm er auch an Protesten teil." Erst kürzlich hätten ihn seine Eltern gebeten, bei den Protesten vorsichtig zu sein. Seinem Sohn sei das bewusst gewesen.

Schüsse, "als der Mann regungslos am Boden lag"

Von dem Vorfall vom Samstagmorgen (Ortszeit) auf einer Straße der US-Großstadt kursieren Videos aus verschiedenen Perspektiven im Netz. Auf einem davon ist zu sehen, wie mehrere Vermummte in Einsatzkleidung eine Person gewaltsam zu Boden bringen und versuchen, diese zu fixieren. Offenkundig handelt es sich dabei um Alex Pretti. Am Ende wird er von acht Einsatzkräften umringt.

Dann schießen zwei Beamte offensichtlich mit ihren Waffen, insgesamt werden "mindestens zehn Schüsse abgegeben", erklärte das Recherchenetzwerk Bellingcat. Die meisten Schüsse fielen demnach, "als der Mann bereits regungslos am Boden lag". Die Videoauswertung von Bellingcat legt den Verdacht nahe, dass der Getötete bereits vor den tödlichen Schüssen von einem ICE-Beamten während der Rangelei am Boden entwaffnet wurde. Auch die "New York Times" berichtet, ein Beamter habe die Schusswaffe des Opfers diesem bereits abgenommen, bevor zwei andere Beamte das Feuer auf Pretti eröffneten. Pretti ist demnach unter anderem in den Rücken geschossen worden.

Nach Darstellung des Heimatschutzministeriums war Pretti bewaffnet. "Der Verdächtige hatte auch zwei Magazine und keinen Personalausweis bei sich - das sieht nach einer Situation aus, wo jemand maximalen Schaden anrichten und ein Massaker an Polizisten verüben wollte", hieß es aus dem Ministerium. "Er war dort, um Gewalt zu verbreiten", erklärte auch Heimatschutzministerin Kristi Noem vor Journalisten mit Blick auf den Getöteten. Der stellvertretende Stabschef des Weißen Hauses, Stephen Miller, bezeichnete Pretti auf X als "Attentäter". Vizepräsident JD Vance teilte den Beitrag.

Eltern ringen um Informationen

Die Eltern erfuhren vom Tod ihres Sohnes über ein Video, wie sie im Gespräch mit AP berichteten. Sie hätten daraufhin versucht, Behörden in Minnesota zu kontaktieren. "Ich bekomme von niemandem Informationen", sagte Michael Pretti. "Die Polizei sagt, wir sollen den Grenzschutz anrufen, der Grenzschutz ist geschlossen, die Krankenhäuser beantworten keine Fragen." Schließlich wandte sich die Familie an das Büro des Gerichtsmediziners von Hennepin County. Dort wurde bestätigt, dass dort eine Leiche mit dem Namen und der Beschreibung ihres Sohnes liege. Bis Samstagabend habe sich keine Bundesbehörde bei der Familie gemeldet.

Pretti lebte dem Bericht zufolge allein rund zwei Kilometer vom Tatort entfernt. Nachbarn beschrieben ihn als ruhig und warmherzig. "Er war ein wunderbarer Mensch", sagte eine Nachbarin der Nachrichtenagentur. "Er hatte ein großes Herz." Bei Problemen in der Nachbarschaft habe er sofort geholfen. Der 37-Jährige arbeitete lange Schichten als Krankenpfleger, sei aber keineswegs ein Einzelgänger gewesen und habe gelegentlich Freunde zu Besuch gehabt.

Nach den tödlichen Polizeischüssen gab es in der Stadt im Norden der USA neue Proteste. Am Samstagabend versammelten sich trotz bitterer Kälte hunderte Menschen in einem Park. An der Stelle, wo die Schüsse fielen, legten Trauernde Blumen nieder und stellten Kerzen und Fotos auf.

Quelle: ntv.de, spl/dpa/AFP

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