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Einhaltung des Zwei-Grad-Ziels wird immer teurer Erderwärmung kaum noch zu stoppen

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Für die Sanierung seiner maroden Industrie benötigt China enorme Geldsummen der reichen Industrieländer.

(Foto: REUTERS)

Die Chancen auf ein Erreichen des Zwei-Grad-Ziels bei der Erderwärmung bis 2020 stehen schlecht. Selbst bei Einhaltung der gegenwärtigen Zusagen wird es wohl nicht mehr gelingen. Die Chinesen, als größte CO2-Emittenten, verlangen Milliarden für die Modernisierung ihrer Schmutzfabriken.

Eine Woche vor der Warschauer Klima-Konferenz schlagen die Vereinten Nationen Alarm: Die Zeit für Maßnahmen gegen den globalen Temperaturanstieg laufe ab, warnte das UN-Umweltprogramm UNEP. Die Emissionen von klimaschädlichen Gasen werden demnach 2020 acht bis zwölf Milliarden Tonnen über dem Niveau liegen, das als nötig gilt, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu beschränken. China, der weltweit größte Emittent von Treibhausgasen, pochte auf die zugesagten finanziellen Hilfen der Industriestaaten für Entwicklungsländer, um die Klimaschutz-Ziele zu verwirklichen.

Die Chance werde immer kleiner, das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, sagte der aus Nairobi zugeschaltete UNEP-Exekutivdirektor Achim Steiner bei einer Pressekonferenz in Berlin. Der Präsident des Bundesumweltamtes, Jochen Flasbarth, erklärte, der schleppende Klimaschutz sei das größte globale Umweltproblem. "Die derzeitige Geschwindigkeit im Klimaschutz ist schlicht unzureichend."

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Alltag in der chinesischen Stadt Xingtai.

(Foto: REUTERS)

Für das Zwei-Grad-Ziel soll der globale Ausstoß an Treibhausgasen bis 2020 auf 44 Milliarden Tonnen begrenzt werden. Nach dem UNEP-Bericht wurden allerdings 2010 über 50 Milliarden Tonnen Kohlendioxid und ähnliche Gase in die Atmosphäre geblasen. Nach Schätzungen ist die Menge 2011 und 2012 noch angestiegen, wenn auch mit geringerer Geschwindigkeit.

Je länger mit Maßnahmen zur Verringerung der Treibhausgas-Emissionen gewartet werde, umso teurer würden später die Maßnahmen, heißt es in dem UN-Bericht. Der UNEP-Chefwissenschaftler Joseph Alcamo warnte, denkbar sei auch, dass mit kostspieligen Maßnahmen Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre gebunden werden müsse, um die CO2-Konzentration zu verringern.

Länder müssen zusammenarbeiten

Flasbarth forderte eine verstärkte internationale Zusammenarbeit, um die Erderwärmung zu stoppen. Dazu gehöre die Förderung von Energiesparmaßnahmen und von erneuerbaren Energien sowie der Abbau von Subventionen für fossile Energien. Auch im Bereich der Landwirtschaft könne der CO2-Ausstoß verringert werden.

In Peking sagte der Chef-Unterhändler für die Warschauer Klima-Konferenz, Xie Zhenhua, sein Land sei zu Kompromissen bereit. Allerdings sei der Schlüssel für effektive Maßnahmen, dass die reichen Staaten ihre Finanzierungszusagen für Klimaschutzmaßnahmen in armen Ländern halten müssten. Er bestätigte, dass in den Millionenstädten Peking, Shanghai und Guangdong ein Handel mit Emissionsrechten eingeführt worden sei.

China hat bereits eine Reihe von Maßnahmen eingeleitet, um Luft und Wasser zu säubern sowie die Verkehrsüberlastung in den Megastädten in den Griff zu bekommen. Die großen Erfolge blieben bislang aber aus. Jüngstes Beispiel für die staatliche Willkür ist die Limitierung für PKW-Zulassungen in der Hauptstadt Peking. Allein im vergangenen Monat kam beispielsweise wegen des Smogs das öffentliche Leben in der Hafenstadt Harbin zum Erliegen. Dort leben elf Millionen Menschen. Die Umweltverschmutzung und ihre Auswirkungen sorgt in China zunehmend für soziale Unruhe - ein Umstand, den die Machthaber in Peking wohl als dringendes Alarmzeichen verstehen.

In der kommenden Woche findet in Warschau die jährliche Weltklimakonferenz statt. Die Weltgemeinschaft hatte sich nach dem Scheitern des Klimagipfels in Kopenhagen 2009 darauf verständigt, einen Klimavertrag bis 2015 auszuhandeln. Dieser soll ab 2020 in Kraft treten, um die Erderwärmung möglichst auf zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Dieser Temperaturanstieg gilt als gerade noch beherrschbar.

Quelle: n-tv.de, ppo/AFP

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