Politik

"Schaut euch die USA an" Erdogan ruft Bürger zur Vernunft

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Erdogan appelliert an die Türken, sich freiwillig in Quarantäne zu begeben.

(Foto: dpa)

Ausgangssperre für Ältere, teils abgeriegelte Parks und ein Aufruf zur freiwilligen Quarantäne: Auch in der Türkei wird das öffentliche Leben eingeschränkt, um eine Ausbreitung der Pandemie zu verhindern. Streng kontrolliert wird vor allem im Großstädten.

Seit Sonntag dürfen in der Türkei Menschen ab 65 Jahren und chronisch Kranke ihre Wohnungen nicht mehr verlassen. Das stellt manche vor existenzielle Probleme. In Istanbul sollen diejenigen von ihnen, die kein Einkommen haben, sechs Wochen lang mit Lebensmitteln beliefert werden. Gouverneur Ali Yerlikaya sagte, dass ab Montag für rund 50.000 Menschen ab 65 Jahre 300.000 Essenspakete zur Verfügung gestellt würden. Die Kosten würden weitgehend von Gebern gedeckt. Der bekannte Lieferservice Getir, der zu den Spendern gehört, werde die Pakete zustellen.

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Auf einem neu angelegten Friedhof wird eines der Todesopfer der Epidemie bestattet.

(Foto: dpa)

Am Freitagabend gab Gesundheitsminister Fahrettin Koca neue Zahlen bekannt, wonach binnen Tagesfrist weitere 17 Menschen am Coronavirus gestorben sind. Der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge stieg damit die Gesamtzahl der virusbedingten Toten in der Türkei auf 92. Bisher seien damit 5698 Fälle bestätigt - 2069 mehr als noch am Vortag. Unter Berufung auf Koca berichtete der Staatssender TRT von bisher insgesamt 47.823 Tests.

Neues Maßnahmenpaket verkündet

Am späten Abend meldete sich Präsident Recep Tayyip Erdogan zu Wort. Eine landesweite Ausgangssperre verkündete er nicht, rief die Bevölkerung aber dringend dazu auf, sich an das Prinzip der freiwilligen Quarantäne zu halten. "Wir können am Rest der Welt sehen, was passiert, wenn Menschen sich nicht an die Regeln halten. Schaut Euch die Vereinigten Staaten an", sagte er. Erdogan sprach von einem neuen Maßnahmenpaket. Die Einhaltung würde besonders in 30 Großstädten scharf beobachtet.

*Datenschutz

Der türkische Prsäident kündigte an, einige Orte wie Picknick-Areale, archäologische Stätten oder Wälder würden an den Wochenenden geschlossen, an Wochentagen werde Gruppenbildung dort nicht erlaubt. Zudem dürften Reisen zwischen Städten nur noch mit Erlaubnis des jeweiligen Provinzgouverneurs unternommen werden. Alle internationalen Flüge würden eingestellt. Innenminister Süleyman Soylu hatte Medienberichten zufolge zuvor gesagt, dass zwölf Städte und Dörfer unter "Quarantäne" gestellt worden seien.

Ankara hat bereits zahlreiche Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus erlassen. Unter anderem sind Schulen, Universitäten, Cafés und Bars geschlossen, Sport- und Kulturveranstaltungen wurden abgesagt, gemeinsame Gebete in Moscheen verboten. Am Morgen hatte das Innenministerium neue Regelungen für die Märkte im Land verschickt. Dort dürfen nun nur noch "unverzichtbare" Artikel wie Lebensmittel verkauft werden. Früchte und Gemüse, die lose angeboten werden, müssten verpackt sein. Der Verkauf von Kleidern oder Spielzeug sei bis auf Weiteres verboten.

Quelle: ntv.de, ino/dpa