Politik

"Begeisterte Zusammenarbeit" Erdogan wendet sich Russland zu

Der türkische Präsident Erdogan droht, den Flüchtlingspakt mit der EU scheitern zu lassen. Die Union habe ihre "Versprechen nicht gehalten", sagt der Staatschef in einem RTL-Interview. Für Russlands Präsidenten Putin findet er dagegen lobende Worte.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Europäische Union kritisiert und zugleich eine neue Phase "begeisterter" Zusammenarbeit mit Russland angekündigt. Nach dem Putschversuch im Juli seien kaum westliche Politiker in die Türkei gereist. Darüber sei er "ein bisschen verärgert", sagte er in einem Interview mit dem Sender RTL. "Das bedauern wir, dass das so ist."

Erdogan beklagte einen mangelnden Rückhalt durch die EU. "Gegenüber einem Putschversuch hätte ich mir gewünscht, dass Europa auf der Seite der Türkei steht. Genauso, wie man in Paris zusammengekommen ist, wie man dort kondoliert hat, hätte man auch in die Türkei sicherlich Vertreter schicken sollen", sagte der türkische Präsident.

Zu seinem Treffen mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin am vergangenen Dienstag in St. Petersburg sagte Erdogan, es sei ihm darum gegangen, etwas wiedergutzumachen. "Wir wollen militärisch, politisch, wirtschaftlich, kulturell, im Tourismusbereich, in verschiedenen Bereichen, mit einer neuen Begeisterung diese Phase neu beginnen", so Erdogan.

"Im Stich gelassen"

Erdogan drohte erneut mit einem Scheitern des Flüchtlingspakts zwischen der EU und Ankara. Hierbei müsse es ein Geben und Nehmen geben, sagte der Staatschef. Die Türkei werde die zugesagte Rücknahme von syrischen Flüchtlingen aus Griechenland nur dann ermöglichen, wenn zugleich den Türken Visafreiheit für die EU gewährt werde. "Das sind natürlich gleichzeitig zu tätigende Schritte", sagte Erdogan. Auch müssten die von der EU zugesagten drei Milliarden Euro für die drei Millionen Flüchtlinge in der Türkei endlich fließen. Bislang habe die EU in diesem Zusammenhang ihre "Versprechen nicht gehalten", sagte Erdogan.

Mit der Nato habe die Türkei keine Probleme, fühle sich aber angesichts der Angriffe aus Syrien "im Stich gelassen". Einen kurdischen Staat im Norden Syriens werde die Türkei auf keinen Fall akzeptieren, sagte Erdogan.

Ankara hatte bereits mehrfach davor gewarnt, das Abkommen platzen zu lassen, falls der Visa-Zwang für Türken nicht abgeschafft wird. Die EU verlangt dafür unter anderem eine Änderung der weit gefassten Anti-Terror-Gesetzgebung in der Türkei. Wegen der repressiven Reaktion Erdogans auf den Putschversuch Mitte Juli hatten sich die Beziehungen zwischen Brüssel und Ankara zuletzt erheblich eingetrübt.

Zu dem Gespräch, das im Präsidentenpalast in Ankara geführt wurde, sendet RTL um 00.20 Uhr ein "Nachtjournal Spezial". Der Sender n-tv strahlt das komplette Gespräch am Samstag ab 18.00 Uhr aus.

Quelle: ntv.de, jga

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