Politik

Nach erbitterter Feindschaft Eritrea und Äthiopien schließen Frieden

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Nach Jahrzehnten des Misstrauens sollen nun die diplomatischen Beziehungen beider Länder wieder aufgenommen werden.

(Foto: AP)

Vor 20 Jahren wütete ein Krieg zwischen Äthiopien und Eritrea, der zehntausenden Menschen das Leben kostete. Nun beenden beide Länder den Kriegszustand. Eine vor kurzem noch undenkbare Geste soll eine Kehrtwende markieren.

Die verfeindeten Länder Äthiopien und Eritrea haben ihren langjährigen Konflikt offiziell beigelegt. Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed und Eritreas Präsident Isaias Afwerki unterzeichneten eine "Gemeinsame Erklärung des Friedens und der Freundschaft", wie der eritreische Informationsminister Yemane Meskel mitteilte. Beide Länder strebten nun eine "enge Zusammenarbeit im politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, kulturellen und sicherheitspolitischen Bereich" an.

Das Treffen stelle eine neue Ära von Frieden und Zusammenarbeit dar, twitterte Meskel. Der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed reiste am Sonntag zu Friedensgesprächen ins Nachbarland, wo er in der Hauptstadt Asmara von Präsident Isaias Afwerki begrüßt wurde.

Zehntausende Menschen starben im Krieg 1998

Beide Politiker umarmten sich mehrfach - ein Symbol für die Annäherung und eine vor kurzem noch undenkbare Geste, die eine Kehrtwende im Verhältnis der beiden Staaten markieren soll. Sie kündigten an, die diplomatischen Beziehungen wieder aufzunehmen und dafür Botschaften eröffnen zu wollen. Beide Seiten vereinbarten zudem die Wiederaufnahme direkter Telefonverbindungen. Nach Angaben des äthiopischen Außenministeriums sollen darüber hinaus Vereinbarungen über die Aufnahme von Flügen zwischen den Hauptstädten beider Länder und über die Nutzung von Seehäfen unterzeichnet werden. Das küstenlose Äthiopien soll demnach Zugang zum Roten Meer bekommen - über einen Hafen in Eritrea. Dies ist für Äthiopien von großer wirtschaftlicher Bedeutung.

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Eritrea gehörte bis zu seiner Unabhängigkeit 1993 zu Äthiopien. Fünf Jahre später brach ein Krieg zwischen den beiden Staaten aus, in dem rund 80.000 Menschen ums Leben kamen. Mit dem sogenannten Abkommen von Algier wurde der Konflikt im Jahr 2000 beendet. Beide Länder blieben aber verfeindet. Der Grenzdisput schwelte weiter, die von einer Expertenkommission festgelegte Kompromisslinie wurde nicht akzeptiert. Eritrea gilt als eines der isoliertesten und repressivsten Länder der Welt. Der lange Militärdienst ist eine der Ursachen für die Flucht Hunderttausender junger Menschen, vor allem nach Europa.

"Jahrzehnte des Misstrauens überwinden"

Der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed hatte im April sein Amt angetreten und in seiner Antrittsrede versprochen, mit Eritrea zu einer Friedenslösung zu kommen. Anfang Juni kündigte er an, den Beschluss einer von der UNO unterstützten internationalen Schiedskommission über den Grenzverlauf aus dem Jahr 2002 "vollständig" umzusetzen. Äthiopien werde sich aus umstrittenen Gebieten zurückziehen. Bislang hatte Äthiopien sich geweigert, den Schiedsspruch zu akzeptieren. Immer wieder kam es zu Scharmützeln, bei denen über die Jahre mehrere hundert Menschen getötet wurden.

Im Juni hatte erstmals seit 1998, als der Konflikt über eine umstrittene Grenze ausbrach, eine hochrangige Delegation aus Asmara die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba besucht. Bis zum vergangenen Monat unterhielten beide Länder keine diplomatischen Beziehungen. Abiys Stabschef schrieb: "Unsere beiden Länder verbindet eine Geschichte wie keine andere. Wir können nun zwei Jahrzehnte des Misstrauens überwinden und uns in eine neue Richtung bewegen."

Quelle: ntv.de, meh/dpa/rts/AFP