Politik

Kiew verhängt Feuerpause Ermittler erreichen MH17-Absturzgebiet

3jzo0252.jpg3046909449356092157.jpg

Einen Tag sollen die Waffen ruhen, damit internationale Ermittler die Absturzstelle von MH17 untersuchen können.

(Foto: dpa)

Internationale Ermittler erreichen zum ersten Mal seit Tagen die Absturzstelle von Flug MH17 in der Ostukraine. Die Kämpfe in der Ostukraine gefährden ihre Sicherheit, Milizen schneiden den Weg ab. Kiew will die Arbeit nun mit einer eintägigen Waffenruhe unterstützen.

Nach mehrtägigen erfolglosen Versuchen sind internationale Experten zum Absturzort des malaysischen Passagierflugzeugs in der Ostukraine vorgedrungen. Niederländische und australische Ermittler hätten die Absturzstelle von Flug MH17 erreicht, teilte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) mit. Sie werden demnach von OSZE-Beobachtern begleitet.

Weiter teilte die OSZE mit, die Experten und Beobachter hätten einen "neuen Weg" gewählt, um zum Absturzort nahe der Stadt Donezk zu gelangen. In den vergangenen Tagen hatten heftige Gefechte zwischen den ukrainischen Streitkräften und prorussischen Separatisten den Zugang zu der Absturzstelle verhindert.

Zuvor hatte die ukrainische Armee auf Bitten der Vereinten Nationen eine eintägige Feuerpause für die Ostukraine angekündigt. Ziel sei es, den internationalen Experten den Zugang zur Absturzstelle von Flug MH17 zu ermöglichen, teilte Militärsprecher Olexij Dmytraschkiwski mit. Er sprach von einem "Tag der Ruhe", der auf Bitten von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ausgerufen werde.

Russland: Kiew behindert Ermittlungen selbst

Die prorussischen Aufständischen im Absturzgebiet werden verdächtigt, das Passagierflugzeug von Malaysia Airlines am 17. Juli mit 298 Menschen an Bord abgeschossen zu haben. Die Regierung in Kiew und der Westen werfen den Separatisten zudem vor, die Bergung weiterhin vermisster Leichen und die Untersuchung der Absturzursache bisher behindert zu haben.

Russland dagegen hat der Ukraine vorgeworfen, die Ermittler vom Absturzort fernzuhalten. "Wir fürchten, dass die Kiewer Behörden Beweise vernichten wollen, die ihre Rolle bei der Katastrophe bloßstellen", sagte Russlands UN-Botschafter Witali Tschurkin russischen Medien zufolge. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko habe bereits vor Tagen eine Waffenruhe rund um den Absturzort bei Grabowo verkündet. "Dieses Versprechen wurde sofort gebrochen", kritisierte Tschurkin. Die Armee habe den Auftrag erhalten, massiv gegen die prorussischen Separatisten in der Region vorzugehen.

Luhansk eingekesselt

Die Stadt Luhansk wurde unterdessen von der ukrainischen Armee nach eigenen Angaben fast völlig eingekesselt. Luhansk ist neben Donezk die zweite Großstadt im Osten der Ukraine, die noch von Separatisten kontrolliert wird. Örtliche Behörden erklärten, die Einwohner seien inzwischen von der Lebensmittelversorgung abgeschnitten. Supermärkte, Lebensmittelläden und Märkte seien nur unregelmäßig geöffnet. Die Lieferungen von Lebensmitteln in die Stadt seien gestoppt worden. Die Geschäfte könnten nur noch das verkaufen, was sie in den Lagern hätten. Die Vorräte schwänden mit jedem Tag. Die ukrainische Armee erklärte, sie habe einen Korridor eingerichtet, durch den die Einwohner von Luhansk aus der Stadt fliehen könnten. Sie feuere auch nicht in Wohngebiete.

Quelle: n-tv.de, nsc/dpa/AFP/rts

Mehr zum Thema