Politik

Justiz-Pannen im Fall Barschel Ermittler geraten selbst ins Visier

Einer der größten Skandale der Bundesrepublik wird um eine Justizposse erweitert: Im Fall Barschel muss sich die Kieler Staatsanwaltschaft mit den mutmaßlichen Schlampereien ihrer Lübecker Kollegen befassen. Ein sichergestelltes Haar aus dem Hotelzimmer, in dem der CDU-Politiker 1987 tot aufgefunden worden war, ist verschwunden.

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Uwe Barschel am 18.09.1987 bei seiner berühmten "Ehrenwort"-Pressekonferenz.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das verschwundene Haar im ungeklärten Todesfall des früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel beschäftigt nach der Lübecker Staatsanwaltschaft jetzt auch deren Kollegen in Kiel. Die Generalstaatsanwaltschaft hat die Kieler damit beauftragt, eine Strafanzeige von Barschels Witwe Freya wegen Verdachts der Strafvereitelung im Amt zu prüfen. In der Anzeige geht es um ein fremdes Haar aus dem letzten Hotelbett von Uwe Barschel, das bei der Staatsanwaltschaft Lübeck verschwunden ist.

Um jeden Anschein der Befangenheit zu vermeiden, solle die Kieler Staatsanwaltschaft prüfen, ob ein Ermittlungsverfahren in der Sache eingeleitet werden müsse, erklärte der Pressesprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Heinz Döllel. Die Anzeige richte sich nicht ausdrücklich gegen die Lübecker Staatsanwaltschaft, sondern gegen unbekannt, fügte er hinzu.

Chefermittler klaut Beweismittel

Die Lübecker Staatsanwaltschaft hatte im Sommer veranlasst, dass mögliches Beweismaterial beim Landeskriminalamt auf DNA-Spuren untersucht wird. Dabei stellte sich heraus, dass ein Haar fehlte, das nicht von Barschel stammte und 1987 auf dem Bett seines Genfer Hotelzimmer sichergestellt worden war.

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Den ehemaligen Chefermittler Heinrich Wille lässt Barschel nicht los - gerade erst ist sein neues Buch über den Fall erschienen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der CDU-Politiker war am 11. Oktober 1987 nach seinem durch einen politischen Skandal um Manipulation im Wahlkampf erzwungenen Rücktritt in dem Hotel tot in einer Badewanne gefunden worden. Ob es Mord oder Selbstmord war, konnte bis heute nicht abschließend geklärt werden.

Unterdessen prüft die Lübecker Staatsanwaltschaft, ob sich ihr ehemaliger Leiter und Barschel-Chefermittler Heinrich Wille im Umgang mit Beweismitteln richtig verhalten hat. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass Wille ein im Hotelzimmer sichergestelltes Buch mit nach Hause genommen hatte - es handelte sich um die "Gesammelten Werke" des französischen Existenzialisten Jean Paul Sartre. Politiker hatten daraufhin ernste Konsequenzen für Wille gefordert.

Quelle: n-tv.de, dpa

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