Premiere in Down UnderErstmals steht eine Frau an der Spitze der australischen Armee

Die australischen Streitkräfte bekommen eine neue Führung. Generalleutnantin Susan Coyle übernimmt als erste Frau das Kommando über das Heer. Die Ernennung erfolgt vor dem Hintergrund schwerer Vorwürfe gegen die Truppe.
Australiens Heer wird in Zukunft von einer Frau kommandiert. Generalleutnantin Susan Coyle übernimmt im Juli den Posten der Armeechefin, teilte die Regierung in Canberra mit. Premierminister Anthony Albanese sprach von einer Premiere in der 125-jährigen Geschichte der australischen Armee. Verteidigungsminister Richard Marles nannte die Ernennung einen historischen Moment.
Coyle blickt auf eine 30-jährige Karriere bei der Armee zurück und diente in Afghanistan, im Nahen Osten und auf den Salomoneninseln in der Südsee. Die 55-Jährige ist zudem die erste Frau, die überhaupt eine Teilstreitkraft des australischen Militärs führt. Der bisherige Marinechef, Vizeadmiral Mark Hammond, rückt im Zuge des Umbaus der Militärführung an die Spitze der gesamten Streitkräfte auf.
Die australische Armee befindet sich inmitten einer großen Transformation und rüstet sich mit weitreichenden Waffen, Drohnen und anderen Kampfmitteln aus. Coyle verwies auf ihre Erfahrungen in Gebieten wie Cyber-Kriegsführung. Ihre umfassenden Erfahrungen seien eine "solide Grundlage" für die mit dem Kommando verbundenen Aufgaben und das in sie gesetzte Vertrauen, sagte die neue Armeechefin.
Frauen machen derzeit rund 21 Prozent der australischen Streitkräfte aus. Ihr Anteil in Führungspositionen liegt bei 18,5 Prozent. Die Gesamtquote soll bis zum Jahr 2030 auf 25 Prozent steigen. Die Personalentscheidung fällt in eine Zeit, in der das australische Militär den Anteil weiblicher Offiziere erhöhen will. Die Streitkräfte sehen sich mit einer Reihe von Vorwürfen wegen systematischer sexueller Belästigung und Diskriminierung konfrontiert. Eine Sammelklage war im vergangenen Oktober eingereicht worden. Die Kläger werfen dem Militär darin vor, Tausende Soldatinnen nicht vor Übergriffen geschützt zu haben.