Politik

Hochdekorierter VeteranAustralischer Ex-Elitesoldat wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen festgenommen

07.04.2026, 08:50 Uhr
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Die Vorwürfe beziehen sich auf den Zeitraum zwischen 2006 und 2012. (Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Die australische Bundespolizei nimmt den einst gefeierten Kriegshelden Ben Roberts-Smith fest. Eine Spezialeinheit ermittelte jahrelang gegen den Träger des höchsten australischen Militärordens. Ihm werden schwere Verbrechen in Afghanistan vorgeworfen.

In einem der schwerwiegendsten mutmaßlichen Kriegsverbrechensfälle in der Geschichte Australiens ist der frühere Elitesoldat Ben Roberts-Smith festgenommen worden. Dem 47-Jährigen werden mehrere Morde an unbewaffneten Zivilisten und Gefangenen in Afghanistan vorgeworfen, wie die australische Bundespolizei (AFP) mitteilte.

Der hochdekorierte Veteran wurde am Flughafen von Sydney von Beamten der Bundespolizei festgenommen, kurz nachdem er mit einem Flugzeug aus Brisbane gelandet war. Er befindet sich in Gewahrsam und sollte noch im Laufe des Tages einem Gericht vorgeführt werden.

Vorausgegangen waren fünfjährige Ermittlungen, bei denen auch viele Aussagen von Augenzeugen aus den Reihen der australischen Spezialeinheit SAS gesammelt wurden. Diese sollen belegen, dass Roberts-Smith zwischen 2006 und 2012 an mehreren Tötungen beteiligt gewesen sein soll.

Blooding-Rituale

Ihm wird unter anderem vorgeworfen, einen Zivilisten von einer Klippe gestoßen und später dessen Erschießung angeordnet zu haben sowie mindestens einen Gefangenen eigenhändig getötet zu haben. Auch sogenannte Blooding-Rituale - die gezielte Tötung von Gefangenen durch jüngere Soldaten auf Befehl - stehen im Raum.

Die Opfer des australischen Soldaten hätten "zum Zeitpunkt ihrer mutmaßlichen Ermordung in Afghanistan nicht an Kampfhandlungen" teilgenommen, sagte die australische Polizeichefin Krissy Barrett vor Journalisten. "Es wird behauptet, die Opfer seien von dem Beschuldigten erschossen worden oder von ihm unterstellten Soldaten, die auf seinen Befehl hin gehandelt haben." Ihm würden Kriegsverbrechen und Mord in fünf Fällen angelastet, fügte sie hinzu.

Roberts-Smith, Träger des höchsten australischen Militärordens Victoria Cross, hat stets alle Vorwürfe bestritten. Die aktuellen Ermittlungen gehen auf eine jahrelange Untersuchung der Spezialeinheit "Office of Special Investigations" (OSI) zurück, die 2021 nach einem Bericht über mutmaßliche Kriegsverbrechen australischer Soldaten eingerichtet worden war.

Dieser Bericht hatte Hinweise auf insgesamt 39 mutmaßliche unrechtmäßige Tötungen durch Angehörige der Spezialeinheiten geliefert, wie die Zeitung "Sydney Morning Herald" berichtete. Es habe sich um hochkomplexe Ermittlungen gehandelt, sagte OSI-Direktor Ross Barnett.

Nicht der erste Fall

Sollte es zu einer Anklage und später zu einer Verurteilung kommen, droht Roberts-Smith eine lebenslange Haftstrafe. Zudem könnte ihm rückwirkend seine militärische Auszeichnung aberkannt werden. Als ehemaliges Mitglied des Special Air Service Regiment galt Roberts-Smith einst als der höchstdekorierte lebende Kriegsveteran Australiens.

2018 brachten eine Reihe von Medienberichten ihn erstmals mit der Ermordung unbewaffneter afghanischer Gefangener durch australische Soldaten in Verbindung. Roberts-Smith hat seine Unschuld stets beteuert und eine millionenschwere Klage gegen die Medien angestrengt, die zuerst über die Vorwürfe berichtet hatten.

Australien entsandte nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 rund 39.000 Soldaten nach Afghanistan, um an der Seite der US-Truppen und ihrer Verbündeten gegen die Taliban, das Terrornetzwerk Al-Kaida und andere islamistische Gruppen zu kämpfen. Seit der Rückkehr der australischen Kampftruppen wurde eine Reihe von Berichten veröffentlicht, die insbesondere Spezialeinheiten der Armee ein oftmals brutales Verhalten vorwerfen.

International ist es nicht der erste Fall dieser Art: Auch in anderen Ländern wurden in den vergangenen Jahren mutmaßliche Kriegsverbrechen von Soldaten juristisch aufgearbeitet. So wurde etwa in den USA ein Verfahren gegen den Navy-Seal-Soldaten Eddie Gallagher geführt, der wegen Taten im Irak angeklagt war. Er wurde später von einer Jury freigesprochen.

Quelle: ntv.de, raf/dpa/AFP

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