Politik

Busse und Krankenwagen unterwegs Evakuierung von Ost-Aleppo beginnt

Nachdem sich das Assad-Regime und die Rebellen auf die Evakuierung Aleppos verständigt haben, werden erste Verletzte aus dem Ostteil der Stadt gebracht. Auch sollen Tausende Kämpfer mit ihren Familien durch einen Korridor abziehen können.

Die ersten Verwundeten sind aus den verbliebenen Rebellengebieten der umkämpften syrischen Stadt Aleppo gebracht worden. Livebilder des pro-syrischen TV-Senders Al-Mayadeen zeigten eine Kolonne mit Bussen, die die Rebellengebiete Ost-Aleppos verließen. Zuvor waren Krankenwagen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) und des Syrischen Arabischen Roten Halbmondes in die von der Opposition kontrollierten Stadtviertel im Osten der Stadt aufgebrochen.

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Diese Drohnen-Aufnahme zeigt laut dem russischen Verteidiungsministerium die Evakuierung von Rebellen aus Ost-Aleppo.

(Foto: REUTERS)

Nach Angaben des IKRK sollten zunächst etwa 200 bis 250 Verletzte aus der Stadt gebracht werden. Dem russischen Generalstab zufolge haben rund 5000 Kämpfer und ihre Angehörigen damit begonnen, Aleppo zu verlassen. Der dafür eingerichtete Korridor sei 21 Kilometer lang, sagte Generalstabschef Waleri Gerassimow der Agentur Interfax. Insgesamt sollen an diesem Donnerstag bereits rund 15.000 Menschen aus den Rebellengebieten abtransportiert werden, wie die Nachrichtenagentur dpa aus syrischen Militärkreisen erfuhr.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, dass Aufständische vor dem Start der Evakuierungsmission damit begonnen hätten, ihre Hauptquartiere, Fahrzeuge und Waffen zu zerstören. Fernsehbilder zeigten vereinzelt Rauchsäulen über den Rebellengebieten.

Rebellen sollen nach Idlib gebracht werden

"Als erstes werden die Verwundeten, die Kranken und dann die Aktivisten und Journalisten abtransportiert", sagte Fares al-Schehabi, ein Abgeordneter des syrischen Parlaments. Anschließend würden die "Terroristen" folgen. Mit diesem Begriff bezeichnet das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad alle Aufständischen. Der Politiker sagte weiter, die Aufständischen würden in die südwestlich von Aleppo gelegene Provinz Idlib gebracht. Diese Region steht größtenteils unter Kontrolle der Opposition.

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Die sogenannten Weißhelme sind eine zivile Hilfsorganisation, die auch in Aleppo aktiv ist.

(Foto: dpa)

Die Vereinten Nationen begannen nach eigenen Angaben, die Evakuierungsmission in Ost-Aleppo zu überwachen. Der UN-Nothilfekoordinator Jan Egeland betonte aber, dass die die UN den Bewohnern keinen humanitären Schutz bieten können, da die Mitarbeiter sich in dem syrischen Krisengebiet nicht frei bewegen könnten. Die Vereinten Nationen seien jedenfalls bereit, die flüchtenden Zivilisten in die Türkei oder in die südwestlich von Aleppo gelegene Provinz Idlib zu begleiten, sagte Egeland. Diese Region steht größtenteils unter Kontrolle der Opposition.

Auch in Idlib soll eine Evakuierungsaktion anlaufen. Dort machten sich nach einem Bericht des syrischen Staatsfernsehens 29 Last- und Rettungswagen auf den Weg in die Ortschaften Al-Fua und Kefraja, die von Rebellen belagert werden. Ziel sei es, Verletzte und Familien in Sicherheit zu bringen. Die Evakuierung der beiden Dörfer war nach Rebellenangaben eine Bedingung schiitischer Milizionäre für die ähnliche Aktion in Aleppo.

Schüsse auf zivile Retter

Kurz vor dem Transport der ersten Verletzten wurden nach Angaben von Aktivisten mindestens drei Menschen durch Schüsse verletzt worden. Die Beobachtungsstelle erklärte, Regimekräfte hätten auf Menschen geschossen, die eine Straße für den Transport hätten freiräumen wollen. Die zivile Rettungsorganisation Weißhelme bestätigte den Vorfall. Sie meldete fünf Verletzte - darunter zwei ihrer Mitarbeiter.

*Datenschutz

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch befürchtet, dass es in Aleppo "zu fürchterlichen Racheakten kommt", sobald das Assad-Regime wieder die Kontrolle über die gesamte Stadt hat. Die Vereinten Nationen forderte Hadeel al-Shalchi in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" auf, schnellstens Menschenrechtsbeobachter nach Aleppo schicken.

Al-Shalchi sammelt von Beirut aus für Human Rights Watch Informationen aus Aleppo. Es existiere ein Netzwerk aus Aktivisten, örtlichen Journalisten und Ärzten. Diese schickten ihre Berichte vorwiegend über Whatsapp. Erst wenn mindestens drei Quellen unabhängig voneinander von ähnlichen Ereignissen berichteten, gebe sie Nachrichten weiter, betonte al-Shalchi.

Es gebe derzeit nur schreckliche Nachrichten aus Aleppo, erklärte sie. "Es gibt keinen sicheren Platz mehr. Je kleiner das Gebiet wird, das die Rebellen halten, desto weniger Schutz finden die Menschen. Es gibt kein Wasser, keine Nahrung, keine Heizung, dabei ist es bitterkalt in Aleppo", sagte die Beobachterin. Sie sei sicher, dass sowohl die Rebellen als auch Assads Truppen Gräueltaten begangen hätten.

Quelle: n-tv.de, jug/hul/AFP/rts/dpa

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