Politik

Putins Marionette für Kiew? Ex-Präsident Janukowitsch appelliert an Selenskyj

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Viktor Janukowitsch bei einer Pressekonferenz 2019 in Russland.

(Foto: imago/ITAR-TASS)

Berichten zufolge will Moskau nach dem Angriff auf die Ukraine einen pro-russischen Präsidenten installieren. Einer der Kandidaten soll der ukrainische Ex-Präsident Janukowitsch sein. Und der wendet sich plötzlich an den aktuellen Präsidenten Selenskyj.

Viktor Janukowitsch hat sich mit einem Appell an den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gewendet: "Sie persönlich müssen das Blutvergießen um jeden Preis stoppen und ein Friedensabkommen erzielen", zitiert die staatliche russische Nachrichtenagentur RIA Novosti den Putin-nahen Ex-Präsidenten der Ukraine. Janukowitsch war 2014 nach den Protesten auf dem Euromaidan nach Russland geflüchtet und anschließend vom ukrainischen Parlament abgesetzt worden.

Nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine soll er unbestätigten Berichten zufolge in die belarussische Hauptstadt Minsk gebracht worden sein. Demnach gibt es in Moskau Pläne, ihn nach der Absetzung oder Ermordung von Selenskyj als neuen Präsidenten zu installieren.

Im Jahr 2010 gelangte der pro-russische Kandidat Janukowitsch ins ukrainische Präsidentenamt. Drei Jahre später legte er überraschend ein EU-Assoziierungsabkommen zugunsten einer engeren Anbindung an Russland auf Eis. Der Schritt löste wochenlange Massenproteste aus. Im Februar 2014 spitzte sich die Lage zu, als die Polizei in Kiew das Feuer auf Protestierende eröffnete. Rund 100 Demonstranten und 20 Polizisten starben. Janukowitsch floh schließlich und wurde vom ukrainischen Parlament seines Amtes enthoben.

Briten nennen Janukowitsch-Alternativen

Seit seinem Sturz behauptet Moskau, dass "Nazis" in Kiew die Macht übernommen hätten. Der derzeitige Krieg in der Ukraine wird von russischer Seite immer wieder mit dem Vorwand einer "Entnazifizierung" des Landes gerechtfertigt. In der Ukraine gibt es zwar rechtsradikale Freiwilligenbataillone, die mittlerweile zum Teil in die Armee integriert worden sind. Bei Wahlen erhielten ihre Kandidaten aber stets nur einen Bruchteil der Stimmen.

Bereits im Januar hatte das britische Außenministerium Russland die Absicht unterstellt, einen pro-russischen Führer in der Ukraine einsetzen zu wollen. Der Kreml dementierte die Behauptung.

Großbritannien nannte damals fünf Kandidaten als mögliche Putin-Marionette in Kiew, darunter Ex-Ministerpräsident Jewgeni Murajew, Mykola Asarow, Sergej Arbusow, Andrej Klujew und Wolodymyr Siwkowitsch. Asarow war unter Janukowitsch Ministerpräsident, beide flohen 2014 nach Russland. Arbusow und Klujew waren unter Janukowitsch Vize-Regierungschefs. Gegen Wladimir Siwkowitsch, Ex-Mitglied des ukrainischen nationalen Rates für Sicherheit und Verteidigung, verhängten die USA Sanktionen wegen des Verdachts der Zusammenarbeit mit russischen Geheimdiensten.

Quelle: ntv.de, mba/chr/dpa/AFP

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