Politik

Gelbwesten-Protest in Frankreich Ex-Profi-Boxer schlägt auf Polizisten ein

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Dettinger wird vorgeworfen, am Samstag zwei Polizisten angegriffen zu haben.

(Foto: imago/PanoramiC)

Der frühere Kampfsportler Christophe Dettinger geht bei Gelbwesten-Protesten in Paris auf Polizisten los. Diese hätten auf ihn, seine Frau und andere Demonstranten eingeschlagen, sagt er. Die Polizei kann ihn identifizieren - ihm droht eine harte Strafe.

Bei Protesten der Gelbwesten-Bewegung in Frankreich hat ein Sportler seine Fähigkeiten für tätliche Angriffe auf Ordnungshüter eingesetzt. Der frühere französische Profi-Boxer Christophe Dettinger ging am Wochenende in Paris auf Polizisten los. Zu Wochenbeginn stellte sich der ehemalige französische Meister im Halbschwergewicht selbst und wurde in Polizeigewahrsam genommen, wie das Innenministerium und die Pariser Staatsanwaltschaft mitteilten. Dettinger wird vorgeworfen, zwei Beamte gezielt attackiert und geschlagen zu haben.

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Auf Videoaufnahmen in sozialen Netzwerken ist zu sehen, wie ein schwarz gekleideter Mann mit seinen Fäusten auf einen Bereitschaftspolizisten losgeht, der sich mit einem Schild zu schützen versucht. Zu sehen ist auch, dass Dettinger zunächst nicht selbst unmittelbar bedrängt wurde, sondern sich stattdessen in die vorderste Reihe gewaltbereiter Demonstranten stellt.

Auf einem weiteren Video tritt er zudem auf einen Polizisten ein, der zu Boden gegangen ist. Dettinger ist in den Videoaufnahmen vor dem Vorfall gut zu erkennen. Er wurde anhand des Bildmaterials identifiziert, angezeigt und zur Fahndung ausgeschrieben.

In einem eigenen Beitrag auf Youtube räumte der ehemalige Boxer seine Übergriffe ein, zeigte sich reumütig und äußerte sein Bedauern. "In mir ist die Wut hochgekommen und ja: Ich habe falsch reagiert", sagte er. Er habe sich gegen die Polizisten verteidigen wollen, die auf ihn und andere Demonstranten eingeschlagen und ihn, seine Frau und eine Freundin mit Tränengas besprüht hätten. Der Boxer rief die "Gelbwesten" auf, weiter zu demonstrieren - allerdings friedlich.

Boxverband geht auf Distanz

Der Vorfall löste in Frankreich großes Aufsehen aus. Innerhalb der Gelbwesten-Bewegung wird Dettinger als Volksheld gefeiert. Die französische Justiz dagegen will hart durchgreifen. Dettinger muss einem Medienbericht zufolge für den tätlichen Angriff auf Polizisten mit bis zu drei Jahren Haft und einer Geldstrafe in Höhe von 45.000 Euro rechnen. Anhänger der Protestbewegung sammeln auf einer Crowdfundingseite Spenden, um den Kampfsportler zu unterstützen. Bis Dienstagmittag beteiligten sich mehr als 7600 Personen an der Sammelaktion.

Dettinger war 2007 und 2008 französischer Meister im Halbschwergewicht. Der französische Boxerverband hatte am Tag nach dem Vorfall Übergriffe eines "früheren Profi-Boxers" verurteilt, ohne Dettinger beim Namen zu nennen.

Quelle: n-tv.de, cam/AFP