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Urteil im "Gorch Fock"-Krimi Ex-Werftchef haftet mit eigenem Vermögen

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Die einst stolze "Gorch Fock" im Trockendock der Elsfleth- Werft. Das Landgericht Hamburg urteilt nun, dass sich das Unternehmen Geld bei seinem korrupten Ex-Chef wiederholen darf.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Kostenexplosion bei der "Gorch Fock" bringt die zuständige Elsfleth-Werft in Verruf - doch Schuld an deren Niedergang ist auch der zwielichtige Vorstand. Ex-Chef Reinberg muss nun laut einem Urteil mit eigenem Vermögen haften - was er noch mit einem gewagten Manöver zu verhindern sucht.

Der ehemalige Chef der "Gorch Fock"-Werft im niedersächsischen Elsfleth muss mit seinem eigenen Vermögen für das insolvent gegangene Unternehmen haften. Das entschied das Landgericht Hamburg. Die Werft könne Schadensersatz in Höhe von 8,4 Millionen Euro gegen Ex-Manager Marcus Reinberg geltend machen. Dafür gebe es nach Überzeugung der Zivilkammer ausreichend Anhaltspunkte, sagte ein Gerichtssprecher nach der Urteilsverkündung am Mittwoch.

Das Gericht geht davon aus, dass der Beklagte Marcus Reinberg Unternehmenseigentum durch die Vergabe von Darlehen veruntreut hatte, sagte der Sprecher. Die Darlehen hätten nichts mit dem Betrieb der Werft zu tun gehabt und seien an Firmen gegangen, an denen der Ex-Vorstand beteiligt war. Zudem seien sie nicht schriftlich dokumentiert und zu unangemessenen Konditionen vergeben worden (Az. 307 O 149/19).

Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) den Gerichtsunterlagen entnehmen konnte, wollte Reinberg der Pfändung seiner Villa an der Hamburger Elbchaussee zuvorkommen. Für 1,8 Millionen Euro sollte sie an die Machida Vermögensverwaltungsgesellschaft mbh gehen, die von zwei im Hamburger Rotlichtmilieu aktiven Anwälten betrieben wird. Beide haben geschäftliche Verbindungen zum berüchtigten Osmani-Clan.

Der neue Vorstand der Elsflether Werft AG will mit der Beschlagnahme von Vermögen die Insolvenzmasse sichern. Daraus würden am Ende offene Rechnungen und Ansprüche bezahlt, zum Beispiel von Lieferanten. Die Werft an der Weser ist Generalunternehmer bei der umstrittenen Sanierung des Segelschulschiffs der deutschen Marine. Die Kosten für die Überholung der "Gorch Fock" sind explodiert: Statt geplant knapp 10 Millionen Euro sind bereits 70 Millionen Euro ausgegeben worden.

Quelle: n-tv.de, fhe/dpa

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