Politik

Hass-Inhalte zur Europawahl Facebook sperrt Dutzende Fake-News-Seiten

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Facebook löschte die Seiten erst, nachdem die NGO Avaaz sie meldete.

(Foto: picture alliance/dpa)

Kurz vor der Europawahl entdeckt eine NGO Dutzende Seiten mit Falschmeldungen und Hass-Inhalten auf Facebook. Viele von ihnen unterstützen rechtsextreme und europaskeptische Parteien aus Italien. Das Online-Netzwerk greift durch.

Facebook hat nach Hinweisen auf gezielte Falschinformationen und Verstöße gegen seine Nutzerregeln eine Reihe von Seiten in Italien gesperrt. Mehr als die Hälfte der 23 Seiten unterstützte die rechtsradikale Lega-Partei und die europaskeptische Fünf-Sterne-Bewegung, die in Italien die Regierung bilden, wie die Nichtregierungsorganisation Avaaz mitteilte. Die NGO prüfte die Accounts inmitten neu aufgekommener Sorge, dass Fake News den Wahlkampf vor den Europawahlen am 26. Mai beeinflussen könnten. Insgesamt hatten die Facebook-Seiten mehr als 2,5 Millionen Fans.

Avaaz zufolge wurde auf einer der Seiten behauptet, der italienische Mafia-Experte Roberto Saviano habe gesagt, er rette lieber Flüchtlinge als italienische Erdbebenopfer. Der Autor habe dies nie gesagt und sei gezwungen gewesen, die Aussage öffentlich zu dementieren, teilte Avaaz mit. Ein zehn Millionen Mal angeklicktes Video zeigte zudem angeblich Geflüchtete bei der Zerstörung eines Polizeiautos. Tatsächlich handele es sich jedoch um eine Szene aus einem Film.

Seiten änderten Namen heimlich

Andere Gruppen hätten Follower zunächst mit Namen wie "Sexy Bombs" oder "The worst of Big Brother 2018" angelockt, dann aber ihre Namen unbemerkt geändert, um die rechtsextremen Parteien Italiens zu unterstützen. Dies beweise erneut, dass es Netzwerke gebe, "die Desinformation und Falschmeldungen verbreiten, um im Vorfeld der Europawahl zu Hass anzustiften und die Gesellschaft zu spalten", sagte Christoph Schott, Kampagnenleiter von Avaaz.

Die Überprüfung durch Avaaz habe zur Sperrung der Seiten geführt, sagte Schott. Er kritisierte, dass ein "Multi-Milliarden-Unternehmen" wie Facebook nicht allein in der Lage sei, "die Demokratie in Europa zu verteidigen". Das Online-Netzwerk bestätigte in einer Mitteilung, es sei eine Anzahl fingierter und doppelter Konten geschlossen worden sowie Seiten, auf denen wiederholt Falschmeldungen gepostet worden seien. Zugleich dankte Facebook Avaaz für deren Hinweise.

EU-Justizkommissarin Vera Jourová hatte mit Blick auf die Europawahl vor organisierten Desinformationskampagnen aus dem Ausland gewarnt. "Wir dürfen nicht zulassen, dass auch nur in einem Mitgliedstaat die Wahlergebnisse durch Manipulation verfälscht werden", sagte sie den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Quelle: n-tv.de, lri/dpa/AFP

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