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Wer wurde ausgespäht? Facebook will über Datenklau informieren

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Betroffene Nutzer sollen am Montag ganz oben im Newsfeed von Facebook informiert werden.

(Foto: imago/Rene Traut)

Bisher ist bekannt, dass etwa 87 Millionen Facebook-Nutzer von Cambridge Analytica ausgespäht wurden, darunter auch einige Deutsche. Unklar bleibt, wer genau betroffen ist - noch. Am Montag will der US-Konzern Klarheit schaffen.

Facebook will seine Nutzer weltweit ab Montag über die mögliche Weitergabe ihrer Daten an Dritte informieren. "Wir werden es jedem mitteilen, dessen Daten von Cambridge Analytica betroffen sein könnten", sagte Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg in einem Interview mit der Nachrichtenagentur "Bloomberg".

Die Information soll ganz oben im Newsfeed von Facebook auftauchen. Auch alle Apps, mit denen Nutzer auf Facebook verbunden sind, sollen dort in einer eigenen Mitteilung zu sehen sein. Es soll eine einfache Möglichkeit geben, diese Apps zu löschen, kündigte Sandberg an. Mitte März wurde bekannt, dass die britische Analyse-Firma Cambridge Analytica unrechtmäßig an Informationen von Millionen Facebook-Usern gekommen war - ohne deren Wissen.

Zuletzt wurde das ganze Ausmaß der Datenaffäre deutlich: So könnten Informationen von bis zu 87 Millionen Nutzern auf unrechtmäßige Weise an die britische Datenanalyse-Firma gelangt sein, die US-Präsident Donald Trump zum Sieg verholfen haben soll. In den USA sind womöglich bis zu 70,6 Millionen User betroffen, in Deutschland bis zu 310.000. Nach Angaben der EU-Kommission wurden in der Europäischen Union die Daten von bis zu 2,7 Millionen Menschen aus den Facebook-Systemen gezogen. Cambridge Analytica erklärte, man habe Daten zu 30 Millionen Nutzern erhalten.

Britische Regierung ermittelt

Die Firma hatte die Daten von einem Professor bekommen, der 2014 eine App mit einer Psychologie-Umfrage auf die Plattform brachte. Nach der damaligen Funktionsweise von Facebook hatte die App auch Zugang zu einigen Informationen der Freunde der Umfrage-Teilnehmer, etwa deren Likes und Interessen. Das erklärt die hohe Zahl betroffener Personen.

Sandberg kündigte an, dass Facebook den Fall genau untersuchen werde. Zuerst sei aber die britische Regierung mit ihren Ermittlungen am Zuge. "Sie haben Vorrang, weshalb wir zum Stehen gekommen sind." Wie schon Konzernchef Mark Zuckerberg räumte auch sie Fehler in der Affäre ein und sagte, Facebook habe zu langsam reagiert.

Zuckerberg, der sich bereits in mehreren Interviews reumütig zeigte, stehen die ganz großen Befragungen noch bevor. In der kommenden Woche muss er gleich zweimal vor US-Gremien Rede und Antwort stehen: Am Dienstag vor dem Justizausschuss des US-Senats, am Mittwoch vor dem Handelsausschuss des Repräsentantenhauses. Dabei geht es für den 33-Jährigen um nichts geringeres, als um die Rettung seines Lebenswerks. Der frühere Harvard-Student hatte das Netzwerk 2004 gegründet und zu einem der wertvollsten Firmen weltweit aufgebaut.

Quelle: n-tv.de, lri/dpa

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