Aus Russland und BelarusFahnder machen zwei Tatverdächtige im Drohnen-Fall Leipzig aus

Nach dem vereitelten Drohnenanschlag am Flughafen Leipzig verdichtet sich die Spur nach Russland: Ermittler sollen zwei Verdächtige identifiziert haben. Ihre Hintergründe und die professionelle Vorgehensweise werfen neue Fragen auf.
Im Fall des Drohnenanschlags auf den Flughafen Leipzig/Halle haben die Ermittler einem Medienbericht zufolge zwei Tatverdächtige identifiziert. Es handele sich um einen gebürtigen Russen mit lettischem Pass und einen Mann aus Belarus, der einen russischen Pass besitze, berichteten die "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR. Sie sollen hinter dem versuchten Anschlag Anfang August stecken. Die Bundesanwaltschaft äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zu dem Bericht.
Am Flughafen Leipzig war am Abend des 4. August eine mit Sprengstoff beladene Drohne entdeckt worden. In ihrer Nähe befanden sich mehrere ukrainische Frachtflugzeuge. Der Flughafen gilt als Umschlagplatz für militärische Hilfslieferungen für die Ukraine im Krieg gegen Russland.
Der gebürtige Russe gilt der Meldung zufolge als Logistiker und Instrukteur des geplanten Anschlags und soll Verbindungen zum russischen Geheimdienst haben. Er sei Ende Juli über den Berliner Flughafen BER eingereist und anschließend mit einem Mietwagen in Richtung Leipzig unterwegs gewesen. Zwei Tage vor dem vereitelten Anschlag habe er Deutschland wieder über den BER verlassen.
Zum zweiten Verdächtigen führten den Ermittlern zufolge DNA-Spuren, die am Tatort gesichert wurden. Gen-Rückstände seien an einer Drohne, an der Innenseite einer mit Sprengstoff gefüllten Konservendose sowie an einer Antenne gefunden worden. Ein Abgleich der Spuren mit europäischen Datenbanken habe Treffer in Litauen und Finnland ergeben. So seien die Behörden auf den Mann aus Belarus gekommen, der bereits wegen anderer Straftaten aktenkundig sei. Er sei mit einem italienischen Touristenvisum eingereist, das Ende April in Minsk ausgestellt worden sei.
Die Fahnder zeigten sich demnach skeptisch, ob die mutmaßlichen Täter zur Verantwortung gezogen werden können. Russland wies in dem Bericht jede Verantwortung zurück. Die russische Botschaft in Berlin sprach von einer "hastig zusammengezimmerten Provokation".
"Low-Level-Agenten"?
Der Anschlagsversuch sei professionell, mit einem "hohen Maße an technischer Expertise und erheblichem organisatorischem Aufwand" geplant und durchgeführt worden, sagte Innenminister Alexander Dobrindt über die Vorgehensweise. Man erkenne das bekannte Muster hybrider russischer Operationen. Am Anschlag beteiligte Personen bezeichnete er als "Low-Level-Agenten".
Die Bundesregierung machte am Dienstag Russland für den Anschlagsversuch verantwortlich und verhängte Strafmaßnahmen. Das russische Generalkonsulat in Bonn sowie das als Kulturinstitut gegründete Russische Haus in Berlin müssen schließen.
Russland bezeichnet die auf dem Flughafen Halle/Leipzig gefundene Sprengstoff-Drohne mit nicht intaktem Zünder als eine "billige Provokation". Moskau sieht hinter dem Fall interessierte militaristische Kreise im Westen, die höhere Rüstungsausgaben in Deutschland und weitere Milliarden für die Ukraine rechtfertigen wollen. Angekündigt sind Gegensanktionen.