Politik

Messerangriff auf Flüchtling Fall Lübcke: Stephan E. stand 2016 im Fokus

121922813.jpg

Stephan E. hat sein Mordgeständnis widerrufen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bislang wurde angenommen, dass der mutmaßliche Lübcke-Mörder 2009 vom Radar der Sicherheitsbehörden verschwand. Laut einem Medienbericht wurde der Rechtsextremist aber noch vor drei Jahren von der Polizei befragt. Damals ging es um einen Angriff auf einen Iraker.

Neue Details im Mordfall Walter Lübcke: Die Polizei hatte den mutmaßlichen Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten wohl deutlich länger im Visier, als zunächst bekannt. Wie der "Spiegel" berichtet, wurde der Rechtsextremist Stephan E. noch 2016 von Ermittlern überprüft. Dabei ging es um einen mutmaßlich politischen Angriff auf einen Flüchtling. Zuvor hieß es, die Behörden hätten E. im Jahr 2009 aus den Augen verloren.

Wie der "Spiegel" schreibt, befragten Polizeibeamte E. Anfang 2016,  nachdem ein irakischer Flüchtling im hessischen Lohfelden von einem Fahrradfahrer niedergestochen worden war. Dabei ließen sich die Ermittler auch das Fahrrad von E. zeigen, welches als Fluchtfahrzeug in Betracht kam. Die  Staatsanwaltschaft Kassel erfuhr von der Befragung offenbar zunächst nichts, ein formelles Ermittlungsverfahren gegen E. wurde nicht eingeleitet. Die Befragung fand damals auch keinen Eingang in die Akten der Kasseler Staatsanwaltschaft. Ende Juni diesen Jahres sagte Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang, die Behörden hätten E. seit 2009 nicht mehr intensiv auf dem Schirm gehabt. Er sei auch nicht mehr einschlägig in Erscheinung getreten. 

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte gegenüber dem "Spiegel" die 2016 durchgeführten Maßnahmen gegen E. Eine Tatbeteiligung hätte E. allerdings nicht nachgewiesen werden können.

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke war am 2. Juni an seinem Haus bei Kassel erschossen worden. Der Generalbundesanwalt geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Der Hauptverdächtige Stephan E. hatte die Tat zunächst gestanden, später aber widerrufen. Erst diese Woche war bekannt geworden, dass die Ermittler im Mordfall Lübcke bei Durchsuchungen in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Baden-Württemberg insgesamt 46 Schusswaffen beschlagnahmt haben.   

Quelle: n-tv.de, jpe/dpa