Politik

Die Auferstehung des Mr. Brexit Farage ist zurück - und will die Revolution

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Er ist wieder da und plötzlich Revolutionär: Nigel Farage.

(Foto: REUTERS)

Eine Weile war er schon totgesagt, nun kehrt der Brexit-Vorkämpfer Farage mit einem fulminanten Sieg zurück auf die große Bühne. Dabei geht es ihm inzwischen um weit mehr als den EU-Austritt Großbritanniens.

Größer hätte die Demütigung für die regierenden Tories kaum sein können. Bei der Europawahl in Großbritannien landen sie abgestraft auf dem fünften Platz. Und ausgerechnet der Mann, der sie schon seit Jahren vor sich hertreibt, feiert seine wundersame Wiederauferstehung: Nigel Farage, prominentester Vorkämpfer für einen EU-Austritt, erringt mit seiner neu gegründeten Brexit-Partei aus dem Stand gut 31 Prozent.

Sein Selbstbewusstsein, das bisher schon nicht gerade klein war, hat dieser Triumph einmal mehr beflügelt. "Das ist ein großes Signal", sagt Farage an diesem Montag. Labour und Tories, die zusammengerechnet ein deutlich schlechteres Ergebnis als die neue Brexit-Partei erzielten, müssten ganz klar die Lehre aus dem Wahlergebnis ziehen. Mehr noch: Nun fordert Farage, dem US-Präsident Donald Trump den Spitznamen Mr. Brexit gab, ein Mitspracherecht bei den Verhandlungen zum EU-Austritt. "Wir sollten jetzt zum Team gehören, das ist ziemlich klar", verkündet er.

So weit dürfte es kaum kommen. Allerdings setzt Farage die Tories nun massiv unter Druck. Der ehemalige Außenminister Jeremy Hunt spricht schon von einer "existenziellen Bedrohung" für die Konservativen, deren eher EU-feindliche Basis in Scharen zu Farage übergelaufen ist. Hunts Vorgänger, der prominente Brexit-Vorkämpfer Boris Johnson, warnt ebenfalls vor einem "existenziellen Risiko für unsere Partei, es sei denn, wir kommen zusammen und setzen den Brexit durch". Tatsächlich dürfte Farages Erfolg auch Auswirkungen auf die anstehende Wahl des nächsten Tory-Chefs haben. Kaum einer zweifelt mehr daran, dass sich bei den Abstimmungen für einen Nachfolger von Theresa May ein Brexiteer durchsetzen wird.

Cameron unter Druck gesetzt

Schon einmal hatte Farage die Tories vor sich hergetrieben. Als Chef der EU-feindlichen Ukip-Partei setzte er die Konservativen mit seinen Wahlerfolgen derart unter Druck, dass der damalige Premierminister David Cameron schließlich 2013 ein Referendum über den EU-Austritt ansetzte. Das Ergebnis ist bekannt. Überraschend stimmte die knappe Mehrheit der Briten 2016 für einen Brexit, es war die Stunde des großen Triumphs für Farage. Er verkündete, sein Werk vollbracht zu haben und zog sich aus der Ukip-Partei zurück mit den Worten: "Ich will mein Leben zurück."

Doch offenbar gehört es auch zu seinem Leben, vehement die EU zu bekämpfen. Anfang dieses Jahres unterstützte er die Gründung der Brexit-Partei, setzte sich an ihre Spitze und sorgte dafür, dass sie ein straff organisierter Farage-Verein ist, unterstützt von solventen Spendern. Seitdem verkündete er immer wieder: "Ich komme zurück!" Dies ist ihm nun gelungen.

Inzwischen hat sich Farage auch ein neues Image zugelegt. Der einst kumpfelhaft auftretende Populist, der gerne mit einem Pint Bier auftrat und gegen Migranten pöbelte, gibt sich nun seriöser und hat neben der EU einen weiteren Feind entdeckt: das britische Establishment. Zu diesem zählt sich der ehemalige Rohstoffhändler, der seit 1999 im EU-Parlament sitzt, offenbar nicht.

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Im Wahlkampf betonte er, dass ein Triumph bei den EU-Wahlen nur ein "erster Schritt" sei. Der zweite klingt deutlich radikaler. Farage strebt auch eine "Revolution" an, einen Umsturz des politischen Systems in Großbritannien. "Viele unserer Unterstützer haben komplett den Glauben in das ganze System verloren und wollen es zerstören und neu aufbauen", sagte er kürzlich der "Sun". Die Briten hätten ihre alten Parteibindungen für die Tories und die Labour-Partei aufgegeben. "Unser Ziel ist es, die Politik dauerhaft zu verändern."

Zumindest in diesem Punkt scheint er auf einem guten Weg. Das politische Zweiparteiensystem taumelt seinem Ende entgegen. Wären jetzt Parlamentswahlen, könnte die Brexit-Partei um die 20 Prozent bekommen und je nach Umfrage sogar vor den Tories liegen. Für Farage, dem bislang ein Einzug ins Unterhaus verwehrt blieb, wäre dies der ultimative Erfolg. Schon erklärt ihn Rodd Liddle, Mitherausgeber des konservativen Spectators, zu einem der "wichtigsten Politiker". Farage selbst stellte schon vor der Wahl fest: "Der Brexit hat alles verändert. Der Geist ist aus der Flasche und kann nicht zurück."

Mitarbeit Constance Simms

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Quelle: n-tv.de

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