60.000 illegale PreiserhöhungenFast jede vierte Tankstelle missachtet 12-Uhr-Regel

Schon im Vorfeld der Einführung der 12-Uhr-Regel gibt es Kritik und die Befürchtung, dass das Modell eher zu höheren Spritpreisen führen könne. Nun stellt sich heraus, dass es Tankstellenbetreiber mit der Umsetzung nicht so genau nehmen.
Das Bundeskartellamt hat eine hohe Zahl von Verstößen gegen die seit April geltende Regel festgestellt, dass Tankstellen nur noch einmal am Tag um 12 Uhr die Preise erhöhen dürfen. "Viele scheinen mir Anfangsfehler technischer Art zu sein", sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt dem "Tagesspiegel". "Es gibt aber auch grobe Abweichungen." So berichtet der SWR von Tausenden Tankstellen in Deutschland und rund 60.000 illegalen Preiserhöhungen seit dem 1. April.
Rund 3800 deutsche Tankstellen, also etwa jede vierte, verstießen demnach bislang mindestens einmal gegen die Vorgabe. Allerdings scheitere eine Verfolgung solcher Verstöße bislang daran, dass die meisten Bundesländer noch nicht einmal die Behörden benannt haben, die die Verstöße ahnden sollen, sagte Mundt.
Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie der Wirtschaftsforschungsinstitute ZEW und DICE führte die Zwölf-Uhr-Regel nicht zu sinkenden Preisen, sondern zu höheren Gewinnmargen für die Mineralölkonzerne. Kartellamtspräsident Mundt äußerte sich im "Tagesspiegel" dazu skeptisch: Diese Analyse habe nur Preise untersucht, aber keine Mengen, gab er zu bedenken. Unklar sei geblieben, wie viele Autofahrer zu welchem Preis getankt haben. "Gut möglich, dass viele Autofahrer zu einem günstigen Zeitpunkt getankt und von der neuen Regelung profitiert haben", sagte Mundt.
Angesichts der großen Preisunterschiede an den Tankstellen rät Mundt allen Autofahrern, die Preise mithilfe einer App zu vergleichen. Statt wie früher abends zu tanken, sollte man besser vormittags vor zwölf Uhr zur Tankstelle fahren. "Die alten Faustformeln gelten nicht mehr", sagte Mundt der Zeitung.