Politik

Zunächst wartet Quarantäne Flüchtlingskinder landen in Hannover

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Die jungen Menschen bei der Ankunft: In der Gruppe gibt es 42 Kinder, fünf sind Jugendliche.

(Foto: dpa)

Rund 1600 auf den griechischen Inseln gestrandete minderjährige Geflüchtete will die EU aufnehmen. Wegen der Corona-Krise passiert aber erst einmal lange gar nichts. Nun fliegt Deutschland eine eher symbolische Zahl Kinder und Jugendliche ein.

Die ersten 47 Kinder und Jugendliche aus mehreren Flüchtlingslagern auf griechischen Inseln sind in Deutschland eingetroffen. Wie das Bundesinnenministerium mitteilte, landete die Maschine am Vormittag in Hannover. Die Zahl ist etwas geringer als erwartet. Von Seiten des Innenministeriums hieß es dazu, einige der ausgewählten Kinder und Jugendlichen seien als nicht reisefähig eingestuft worden.

Konkret handelt es sich bei den unbegleiteten Minderjährigen den Angaben zufolge um 42 Kinder und fünf Jugendliche, darunter auch eine Reihe von Geschwisterkindern. In der Gruppe sind vier Mädchen. Alle sollen nun wegen der Corona-Krise zunächst für eine zweiwöchige Quarantäne in Niedersachsen untergebracht werden. Das Land hatte sich besonders für die Aufnahme eingesetzt.

Unterdessen bekundete der nordrhein-westfälische Flüchtlings- und Integrationsminister Joachim Stamp, dass auch sein Bundesland als Aufnahmeland bereitstehe. NRW sei auf die Aufnahme von mehreren hundert Minderjährigen vorbereitet. Insgesamt will Deutschland im Rahmen des europäischen Vorgehens mindestens 350 Minderjährige aufnehmen.

"Ich freue mich, dass wir heute die ersten unbegleiteten Kinder empfangen könne - trotz der schweren Belastungen durch die Corona-Krise", sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer von der CSU. Niedersachsens Innenminister, der SPD-Politiker Boris Pistorius, bezeichnete die Ankunft der Flüchtlingskinder als einen Anfang. Sie sind die zweite Gruppe von Minderjährigen, die aus den Lagern geholt wurden. Bereits am Mittwoch waren zwölf Jugendliche von Luxemburg aufgenommen worden.

Kritik an geringer Zahl

Insgesamt haben sich zehn EU-Mitgliedstaaten bereit erklärt, insgesamt rund 1600 unbegleitete Minderjährige von den griechischen Inseln aufzunehmen. Unter anderem wegen der Corona-Krise hatte sich die Hilfsaktion wiederholt verzögert. Ziel ist laut Innenministerium, "Griechenland bei der schwierigen humanitären Lage auf den griechischen Inseln zu unterstützen".

Hilfsorganisationen kritisieren die Zahl der nun Aufgenommenen als viel zu gering. Die Ausreise der Kinder und Jugendlichen könne nur ein Anfang sein, wenn es darum gehe, die völlig überfüllten und unzumutbaren Camps auf den griechischen Inseln zu entlasten, sagte der deutsche UNHCR-Repräsentant Frank Remus. Sie seien jetzt zwar in Sicherheit, aber auch in einer fremden Welt, ohne Gewohntes und ohne vertraute Menschen. Sie seien in Deutschland eingetroffen. "Wann sie auch in Deutschland ankommen, hängt von hilfreichen Händen und offene Herzen ab."

Die unbegleiteten Kinder und Jugendlichen waren in Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln Lesbos, Samos und Chios untergebracht. Sie stammen aus Afghanistan, Syrien und Eritrea. Im Migrationsministerium in Athen war nach dem Start zunächst von 49 Minderjährigen die Rede gewesen. An Bord befanden sich nach Angaben der deutschen Ministerien neben den 47 aber auch zwei Kinder, die von ihrem Vater nach Griechenland entführt worden waren und zu ihrer in Deutschland lebenden Mutter zurückgeführt wurden.

Quelle: ntv.de, jog/AFP/dpa