Politik

Ukraine: Ein großer Erfolg Erstes Getreide-Schiff verlässt Odessa

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Mittlerweile werden Schiffe im Hafen von Odessa mit Getreide beladen.

(Foto: dpa)

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Die "Razoni" ist das erste Frachtschiff seit Monaten, das die Ukraine verlässt. Es hat Mais für den Libanon geladen. Dass es in Odessa auslaufen kann, ist Folge des Abkommens zum Getreide-Export. Kiew rechnet mit Einnahmen von mindestens einer Milliarde Dollar.

Erstmals seit Monaten hat ein Schiff mit ukrainischem Getreide für den Weltmarkt nach türkischen Angaben den Hafen von Odessa verlassen. Das unter der Flagge von Sierra Leone fahrende Frachtschiff "Razoni" lief um 8.19 Uhr (MESZ) beladen mit 26.000 Tonnen Mais in Richtung Libanon aus, wie das türkische Verteidigungsministerium mitteilte. Andere Lieferungen sollen demnach folgen.

Die Türkei erwartet das erste Frachtschiff mit ukrainischem Getreide am Dienstag zur Inspektion in Istanbul. Es werde gegen 15 Uhr Ortszeit (14 Uhr MESZ) vor der Küste der Meerenge Bosporus in Istanbul sein, sagte der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Nach dem Ankern werde die gemeinsame Delegation es kontrollieren. "Auch die nachfolgenden Schiffe werden auf ähnliche Weise problemlos weiterfahren."

Am 22. Juli hatten die Ukraine und Russland sich auf ein von der Türkei und den Vereinten Nationen vermitteltes Abkommen zum Getreide-Export geeinigt. Die Ukraine und Russland verpflichten sich darin, sichere Korridore für die Frachtschiffe auf dem Schwarzen Meer zu respektieren und dort auf militärische Aktivitäten zu verzichten.

"Schritt zur Verhinderung des Hungers"

Die Ukraine bezeichnete den Start des ersten Frachtschiffes als großen Erfolg nach dreimonatigen Verhandlungen über die Wiederaufnahme des Getreide-Exports. "Heute macht die Ukraine gemeinsam mit Partnern einen weiteren Schritt zur Verhinderung des Hungers in der Welt", teilte Infrastrukturminister Olexander Kubrakow bei Facebook mit. Er hatte im Juli in Istanbul eine Vereinbarung über die Wiederaufnahme der Exporte unterzeichnet.

Durch die Wiederinbetriebnahme von drei Häfen könne die Wirtschaft der Ukraine mindestens eine Milliarde US-Dollar (rund 980 Millionen Euro) einnehmen und Planungen im Agrarsektor ermöglichen, sagte Kubrakow. 16 weitere Schiffe warteten bereits in den Häfen am Schwarzen Meer auf ihre Abfahrt, sagte Kubrakow. Diese Frachter seien seit der russischen Invasion vor gut fünf Monaten blockiert gewesen. Zudem erhielten die ukrainischen Behörden nun Anträge zur Ankunft weiterer Schiffe, die ebenfalls mit landwirtschaftlichen Produkte beladen werden sollen, sagte der Minister.

Die Ukraine zählte vor dem russischen Angriffskrieg zu den wichtigsten Getreide-Exporteuren der Welt. Von der Vorjahresernte warten ukrainischen Angaben zufolge noch über 20 Millionen Tonnen Getreide auf die Ausfuhr. Die Silos müssen wegen der neuen Ernte dringend freigemacht werden. Russland sicherte in dem Abkommen nun zu, Schiffe über einen Seekorridor fahren zu lassen und diese sowie beteiligte Häfen nicht anzugreifen.

Schiffe werden auf Waffen durchsucht

Die Exporte werden von einem Kontrollzentrum in Istanbul überwacht, das mit Vertretern Russlands, der Ukraine, der Vereinten Nationen und der Türkei besetzt ist. Schiffe sollen bei der Ein- und Ausfahrt ins Schwarze Meer inspiziert werden. So soll auf Verlangen Russland sichergestellt werden, dass die Schiffe keine Waffen oder Ähnliches an Bord haben. Russland befürchtet, dass die Ukraine aus dem Erlös des Getreideverkaufs Waffen beschafft.

Das Getreideabkommen ist die erste Vereinbarung der beiden Länder seit Beginn des russischen Überfalls am 24. Februar. Mit ihm soll die globale Nahrungskrise gelindert werden. Seit Beginn des Kriegs waren in einigen der ärmsten Länder der Welt die Nahrungsmittelpreise in die Höhe geschnellt.

(Dieser Artikel wurde am Montag, 01. August 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, mli/kst/AFP/dpa

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