Politik

EU schießt Millionen Euro zu Frankreich baut neue Zeltstadt in Calais

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Frankreichs Premierminister Manuel Valls (2.v.r.) und Innenminister Bernard Cazeneuve (M.) besuchen Calais.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Calais sitzen Tausende Flüchtlinge fest - oft schlafen sie in selbstgebauten Zelten, die Zustände sind teils katastrophal. Nun will Frankreich die Lage verbessern. Kritiker sprechen von "Mini-Maßnahmen".

Mit Hilfe der EU will Frankreich in der Hafenstadt Calais ein neues Flüchtlingslager mit Platz für bis zu 1500 Menschen errichten. Das Lager mit 120 Zelten solle "Anfang 2016" entstehen, sagte Frankreichs Premierminister Manuel Valls in Calais. EU-Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans sagte Frankreich unter anderem für dieses Lager neue Finanzhilfen von fünf Millionen Euro zu. Beide besuchten Calais, um sich vor Ort einen Eindruck von der Lage zu machen.

Calais ist einer der Brennpunkte in der Flüchtlingskrise in Europa. In der am Ärmelkanal gelegenen Stadt sitzen mehr als 3000 Flüchtlinge aus Ländern wie Afghanistan, Syrien, Eritrea und dem Sudan fest. Sie wollen auf Fähren oder durch den Eurotunnel nach Großbritannien gelangen, wo sie auf ein besseres Leben hoffen.

Die meisten der Flüchtlinge leben unter sehr schlechten Bedingungen in einem improvisierten Flüchtlingslager, das unter dem Namen "Neuer Dschungel" bekannt wurde. Hilfsorganisationen und Menschenrechtsaktivisten kritisieren die Zustände in dem Lager, in dem die Flüchtlinge in selbst gebauten Zelten schlafen, immer wieder.

Versprechen an die Flüchtlinge

Direkt am "Neuen Dschungel" befindet sich seit Jahresbeginn das Hilfszentrum "Jules Ferry", das auch aus EU-Mitteln finanziert wurde. Es bietet rund hundert Frauen und Kindern einen Schlafplatz, männliche Flüchtlinge bekommen dort tagsüber Essen und haben Zugang zu sanitären Anlagen.

Das neue Zeltlager solle eine "Ergänzung" zu diesem Zentrum sein, sagte Valls. Die neuen Hilfsgelder der EU sollen auch dazu dienen, Asylbewerber von Calais in andere Gegenden Frankreichs zu bringen. Aus Regierungskreisen verlautete, Frankreich werde das Lager in Millionenhöhe mitfinanzieren.

Timmermans sagte den Flüchtlingen aus Krisengebieten die Solidarität Europas zu: "Wir werden niemals diejenigen abweisen, die Schutz brauchen." Zwar kämen sehr viele Flüchtlinge nach Europa, sagte der Kommissionsvizechef. "Die Zahlen sind für einen Kontinent mit 500 Millionen Einwohnern aber zu bewältigen."

"Mini-Maßnahmen"

Die Hilfsorganisation Médecins du Monde (Ärzte der Welt) kritisierte die beschlossenen Maßnahmen als nicht ausreichend. "Die Notmaßnahmen sind den Bedürfnissen nicht angemessen", sagte der Frankreich-Chef der Organisation, Jean-François Corty. "Das sind Mini-Maßnahmen, und das schockiert uns besonders."

Die EU-Kommission hatte Frankreich wegen der Flüchtlingskrise in Calais bereits sieben Millionen Euro zugesagt. Weitere 35 Millionen Euro sollen aus Großbritannien kommen, denn in der Flüchtlingskrise wird die gemeinsame Grenze auf der französischen Seite des Ärmelkanals gesichert. Angesichts des Flüchtlingsandrangs verstärkten Paris und London zuletzt die Sicherheitsmaßnahmen am Eurotunnel und am Hafen von Calais und schickten mehr Polizisten.

Quelle: ntv.de, hul/AFP