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Aktienkurse sacken ab Frankreich schlägt Ökosteuer auf Flüge auf

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Nach der Ankündigung gaben die Aktien von Air France 4,5 Prozent nach, die von Lufthansa 2,5 Prozent.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ab dem kommenden Jahr werden Flugtickets in Frankreich teurer. Die Regierung will eine Ökosteuer auf Flugtickets aufschlagen. Und Europa soll nachziehen - an der Börse löst dies Schnappatmung aus.

Frankreich führt ab dem kommenden Jahr eine Ökosteuer auf Flugtickets ein. Die Abgabe soll zwischen 1,50 Euro und 18 Euro pro Ticket betragen, wie Verkehrsministerin Elisabeth Borne mitteilte. Der Höchstbetrag wird demnach für Businesstarife der Langstrecke fällig, der Mindestbetrag von 1,50 Euro für einen französischen Inlandsflug der Economy-Klasse.

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Macrons Umweltrat beschloss die Ökosteuer auf Flüge.

(Foto: REUTERS)

Die Maßnahme wurde von einem Umweltrat unter Vorsitz von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron beschlossen. Sie soll im Haushaltsgesetz für 2020 verankert werden. Damit will die Regierung Investitionen in die Infrastruktur umweltfreundlicher Verkehrsmittel finanzieren - vor allem der Bahn. Die Regierung rechnet mit einem Erlös von jährlich gut 180 Millionen Euro.

Betroffen sind nach Angaben Bornes nahezu alle Flüge, die in Frankreich starten. Ausnahmen soll es für Umsteigeverbindungen geben, die über Frankreich gehen. Auch Flüge auf die Mittelmeerinsel Korsika und in die französischen Überseegebiete sind ausgenommen.

Die Börsenkurse von Luftfahrtgesellschaften gaben nach der Ankündigung deutlich nach. Air France-KLM war in Paris zeitweise um 3,9 Prozent im Minus, die Lufthansa in Frankfurt am Main um mehr als zwei Prozent.

In Deutschland gibt es eine sogenannte Luftverkehrssteuer. Sie wird bei Abflügen aus dem Inland erhoben und beträgt pro Passagier zwischen 8 Euro bei Kurzstrecken und 45 Euro bei Langstrecken. Laut dem Bundesfinanzministerium soll diese Gebühr umweltgerechteres Verhalten fördern.

Frankreich will europaweite Flugsteuer

Erst vor wenigen Tagen hatte Frankreich angekündigt, anderen EU-Staaten am Donnerstag beim Treffen der EU-Verkehrsminister in Luxemburg eine europaweite Flugsteuer vorzuschlagen. Diese Steuer könnte ebenfalls auf Flugtickets oder auf Kerosin aufgeschlagen oder durch Änderungen beim EU-Emissionshandel erhoben werden, hieß es aus dem französischen Verkehrsministerium. Damit solle der Flugsektor einen größeren Beitrag für eine ökologische Wende leisten. Auch Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hatte sich im Mai für eine europaweit einheitliche Besteuerung von Kerosin ausgesprochen.

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Belgien hat ebenfalls eine solche europaweite Abgabe vorgeschlagen, auch die Niederlande unterstützen den Plan. SPD-Bundesumweltministerin Svenja Schulze hatte sich zuletzt ebenfalls offen für eine EU-weite Ökosteuer auf Flugtickets gezeigt. "Es ist doch nicht mehr einzusehen, dass ein Zugticket teurer ist als ein Flugticket für die gleiche Strecke", hatte sie im März bei einem Treffen der EU-Umweltminister in Brüssel gesagt. Sie äußerte sich zuversichtlich, dass CSU-Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer in diesem Bereich "was vorlegen wird."

Eine europäische Steuer auf Flugbenzin könnte den Kohlendioxid-Ausstoß aus der Luftfahrt laut einer Studie um elf Prozent drücken. Dadurch würden Tickets teurer. Entsprechend würden weniger Leute fliegen - das ergab eine Untersuchung der EU-Kommission, die der Verband Transport & Environment kurz vor der Europawahl veröffentlicht hatte. Die Studie stellte fest: Würde die traditionelle Steuerbefreiung für Kerosin abgeschafft, würden Flugtickets im Durchschnitt zehn Prozent teurer. Das würde die Nachfrage durch Passagiere um elf Prozent drücken, was auch elf Prozent der Jobs und der Wertschöpfung in der Luftfahrtbranche kosten könnte. Um ebenfalls elf Prozent würde der Ausstoß von Kohlendioxid zurückgehen.

Deutschland prüft Kerosinsteuer

Das deutsche Umweltbundesamt fordert bereits seit Jahren von der Politik, die indirekten Subventionen für den Flugverkehr zu streichen. Auch die Deutsche Bahn kritisiert, dass es keine Kerosinsteuer gibt. Internationale Flüge sind zudem von der Mehrwertsteuer befreit.

Derzeit prüft die Bundesregierung, eine Kerosinsteuer einzuführen. Das ging aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion Ende Juni hervor. "Die Vorschläge für eine Aufhebung der Steuerbefreiung von Kerosin" würden "geprüft", heißt es darin. Das Finanzministerium schätzt die möglichen Einnahmen allein durch eine nationale Treibstoff-Besteuerung auf mindestens eine halbe Milliarde Euro. Die Regierung äußerte jedoch die Befürchtung, dass die Industrie Ausweichstrategien entwickeln könnte: So könnten Flugzeuge einfach deutlich stärker im Ausland tanken.

Quelle: n-tv.de, aeh/AFP/rts/DJ

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