Politik

Finale Offensive in Äthiopien Friedensnobelpreisträger jagt seine Gegner

2020-11-13T082158Z_1782022025_RC282K95CQO7_RTRMADP_3_ETHIOPIA-CONFLICT-MILITARY.JPG

Äthiopische Soldaten kehren nach einem Kampfeinsatz in Tigray zu ihrer Basis zurück.

(Foto: REUTERS)

Als Abiy Ahmed 2018 an die Macht kommt, scheint es, als könne er Äthiopien aussöhnen. Dafür erhält er den Friedensnobelpreis. Aber im Bundesstaat Tigray haben seine politischen Gegner weiterhin das Sagen. Nach mehreren Bombenangriffen ruft er nun die finale Offensive aus.

Im Konflikt mit der Führung der Region Tigray hat Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed eine finale Militäroffensive angekündigt. Eine dreitägige Frist, die den Kräften in Tigray für eine Kapitulation gegeben worden sei, sei am Dienstag abgelaufen, schrieb der Ministerpräsident auf Facebook. "Der letzte wesentliche Akt der Strafverfolgung wird in den kommenden Tagen erfolgen". In dem seit zwei Wochen anhaltenden Konflikt hatte die äthiopische Luftwaffe zuvor erneut Ziele in der Region angegriffen.

2020-11-14T165316Z_992398464_RC243K9KDRKG_RTRMADP_3_ETHIOPIA-CONFLICT-SUDAN.JPG

Um von Tigray in den Sudan zu gelangen, müssen die Menschen einen Fluss überqueren.

(Foto: REUTERS)

International häufen sich Forderungen an die Konfliktparteien, an den Verhandlungstisch zu treten. Kenias Präsident Uhuru Kenyatta rief die Regierung Äthiopiens und die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) auf, "friedliche Mittel" zu finden, um die Krise zu beenden. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen warnte vor einer humanitären Krise. Es seien massive Vertreibungen innerhalb Tigrays zu befürchten, sagte Babor Baloch, der Sprecher des Hohen Flüchtlingskommissars der UN, in Genf.

Internet, Telefonverbindungen und Strom gekappt

Äthiopiens Regierung hatte nach Monaten der Spannungen zwischen Addis Abeba und der TPLF am 4. November eine Offensive gegen die Rebellengruppe und Regierungspartei der nördlichen Region Tigray begonnen. Der Bundesstaat von der Größe Österreichs mit fünf Millionen Einwohnern wird von der TPLF regiert. Diese steht seit Jahren in Konflikt mit der Zentralregierung in Addis Abeba und forderte wie viele Menschen in der Region mehr Autonomie.

Mehr zum Thema

Am Wochenende war die Situation eskaliert, als die TPLF das Nachbarland Eritrea mit Raketen beschoss. Über die Lage vor Ort ist wenig bekannt, da Internet, Telefonverbindungen und Strom gekappt und Straßen blockiert sind. Mehr als 27.000 Äthiopier sind bereits ins Nachbarland Sudan geflohen.

Die TPLF war die dominante Partei einer Parteienkoalition, die Äthiopien mehr als 25 Jahre lang mit harter Hand regiert hatte. Als Abiy Ahmed 2018 an die Macht kam, brachte er Reformen auf den Weg, entfernte Funktionäre der alten Garde und gründete eine neue Partei, der die TPLF nicht beitrat. Dafür erhielt er 2019 den Friedensnobelpreis. Unter seiner Ägide sind allerdings auch die ethnischen Spannungen in dem Vielvölkerstaat mit seinen rund 112 Millionen Einwohnern gestiegen.

Quelle: ntv.de, chr/dpa