Millionen für Luxusbauprojekt?Früherer Büroleiter von Selenskyj steht unter Geldwäsche-Verdacht

Andrij Jermak ist für den ukrainischen Präsidenten über Jahre ein wichtiger Begleiter in der Politik. Doch wegen Korruptionsvorwürfen räumt er Ende vergangenen Jahres seinen Posten. Nun spezifizieren die Ermittler, was dem früheren Selenskyj-Vertrauten vorgeworfen wird.
Antikorruptionsbehörden in der Ukraine haben den ehemaligen Leiter des Präsidentenbüros, Andrij Jermak, der Geldwäsche verdächtigt. Das Nationale Antikorruptionsbüro (NABU) und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) berichteten, eine organisierte Gruppe enttarnt zu haben. Diese soll an der Geldwäsche von umgerechnet fast neun Millionen Euro im Zusammenhang mit einem Luxusbauprojekt in der Nähe Kiews beteiligt sein. Jermak soll dieser Gruppe angehören.
Nach Durchsuchungen in seiner Wohnung war Jermak im Zuge eines Korruptionsskandals Ende November vergangenen Jahres zurückgetreten. Er war ein langjähriger Vertrauter des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Er leitete das Präsidentenbüro seit 2020 und war der zweitwichtigste Mann in der Ukraine. Den Posten von Jermak übernahm nach seinem Rücktritt der Militärgeheimdienstchef Kyrylo Budanow.
Ursprünglich war Jermak als Jurist tätig und war spezialisiert auf Urheberrecht. In dieser Funktion arbeitete er in der Filmbranche, einem Umfeld, aus dem auch Selenskyj stammt. Als Selenskyj 2019 seine Präsidentschaftskandidatur bekannt gab, holte er Jermak in sein Wahlkampfteam. Jermak gehört zu dem kleinen Kreis von Vertrauten, die Selenskyj seither nicht mehr verlassen haben. Anfänglich agierte er nur im Hintergrund.
Nach Selenskyjs Wahlsieg gewann Jermaks Einfluss rasch an Fahrt: Zunächst als außenpolitischer Berater des Präsidenten eingesetzt, übernahm er die Verantwortung für Gespräche mit Russland. Jermaks Arbeit ermöglichte im Herbst 2019 den ersten Gefangenenaustausch mit Russland seit Jahren.