Politik

Beihilfe zum Massenmord Früherer SS-Wachmann steht vor Gericht

imago70964795h.jpg

Insassen im KZ Stutthof bei Danzig waren unter anderem polnische Bürger und Juden.

(Foto: imago/newspix)

Im Konzentrationslager Stutthof wurden Zehntausende Menschen systematisch ermordet. Nun muss sich ein ehemaliger SS-Wachmann vor dem Landgericht Hamburg verantworten. Bereits im vergangenen Jahr soll er gestanden haben, von Tötungen gewusst zu haben.

Das Hamburger Landgericht hat die Anklage gegen einen früheren SS-Wachmann zugelassen, dem Beihilfe zum Mord in 5230 Fällen vorgeworfen wird. Damit wurde das Hauptverfahren eröffnet, wie ein Gerichtssprecher bestätigte. Der Prozess soll am 17. Oktober beginnen. Laut Anklage soll der heute 92-jährige Mann zwischen August 1944 und April 1945 als SS-Wachmann im Konzentrationslager Stutthof bei Danzig die "heimtückische und grausame Tötung" insbesondere jüdischer Häftlinge unterstützt haben.

Während der Wachtätigkeit des Angeklagten kam es im Rahmen der von den Nationalsozialisten angeordneten "Endlösung der Judenfrage" zur systematischen Tötung von Lagerinsassen, wie es in der Anklage weiter heißt. Die Häftlinge seien vor allem durch Genickschuss oder durch das Giftgas Zyklon B getötet worden. Zudem seien zahlreiche Menschen durch die "bewusste Herbeiführung und Aufrechterhaltung lebensfeindlicher Bedingungen wie Nahrungsentzug und Verweigerung medizinischer Versorgung" ums Leben gekommen.

Angeklagter sei "Rädchen der Mordmaschinerie" gewesen

Der Angeklagte war zur Tatzeit 17 und 18 Jahre alt. Zu seinen Aufgaben gehörte es laut Staatsanwaltschaft, die Flucht, Revolte und Befreiung von Häftlingen zu verhindern. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm deshalb vor, als "Rädchen der Mordmaschinerie" dazu beigetragen zu haben, dass der Tötungsbefehl umgesetzt werden konnte. Aufgrund seines damaligen Alters wurde der Senior vor einer Jugendstrafkammer des Landgerichts Hamburg angeklagt.

Einem Bericht der "Welt" zufolge hatte sich der Angeklagte bereits im vergangenen Jahr umfangreich eingelassen und zugegeben, von Tötungen gewusst zu haben. So habe er Schreie aus der Gaskammer vernommen und Leichen gesehen. Oberstaatsanwalt Lars Mahnke, Verfasser der Anklage, geht der Zeitung zufolge davon aus, dass sich der Angeklagte an die Front hätte versetzen lassen können.

Im KZ Stutthof bei Danzig hatten die Nazis unter anderem polnische Bürger, sowjetische Kriegsgefangene und Juden eingesperrt, gequält und auf unterschiedliche Arten systematisch getötet. Unter anderem gab es dort eine Gaskammer. Von mehr als hunderttausend Insassen, die nach Stutthof gebracht wurden, starben schätzungsweise 65.000 Menschen.

Quelle: n-tv.de, lwe/AFP

Mehr zum Thema