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Fukushima liegt nicht in Deutschland Fuchs bedauert Atomausstieg

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Das Unglück von Fukushima zerstörte bei vielen den Glauben an die Atomtechnik.

(Foto: REUTERS)

Nach der Katastrophe von Fukushima verkündete die Bundesregierung eine Energiewende. Doch offenbar schmeckt das nicht allen in der Union. Fraktionsvize Fuchs vertraut etwa noch immer auf die "deutsche Ingenieurskunst" und hält ein Unglück wie in Japan für unmöglich. Der BUND befürchtet, dass der Atomausstieg revidiert werden könnte.

Knapp ein Jahr nach der Was verursachte den Super-Gau? hält der Unmut über den geplanten Atomausstieg in Teilen der Union an. Er habe den Ausstiegsbeschluss der Bundesregierung "technisch nicht richtig verstanden", sagte Unionsfraktionsvize Michael Fuchs im Deutschlandfunk. In Deutschland sei weder ein verheerendes Erdbeben noch ein Tsunami wie vor einem Jahr in Japan denkbar. Das bedeute, "dass ein solches Unglück in Deutschland nicht passieren könnte". Zudem vertraue er auf die "deutsche Ingenieurskunst".

Der CDU-Politiker sagte, dass Deutschland nun Atomstrom aus Nachbarländern beziehe."Wir sind deswegen nicht sicherer geworden", fügte er hinzu. Der Abgeordnete räumte ein, dass ein Festhalten am Atomstrom politisch nicht durchsetzbar sei. Er habe das Votum "des großen Teils der Bevölkerung" gegen den Atomstrom zu akzeptieren.

Tatsächlich jedoch blieb 2011 Deutschland - wenn auch auf geringerem Niveau - unterm Strich Netto-Exporteur von Elektrizität. An vielen Tagen im Jahr lieferte es sogar Atomstrom nach Frankreich.

BUND befürchtet Revision

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Erneuerbare Energien sollen künftig mehr Strom liefern.

(Foto: dpa)

Der Vorsitzende des Umweltverbandes BUND, Hubert Weiger, äußerte die Sorge, dass der im vergangenen Jahr beschlossene Atomausstieg revidiert werden könnte. "Der Druck wächst, den AKW-Abschalt-Zeitplan wieder zu strecken", sagte er der "Frankfurter Rundschau". Das liege nicht nur an der halbherzigen Umsetzung der Energiewende, sondern auch an den Strompreisen.

Die Bundesregierung lade die Kosten der Energiewende allein Haushalten, Handwerk und kleinen Gewerbetreibenden auf, während die Industrie entlastet werde. "Das ist inakzeptabel", sagte Weiger.

Töpfer zeigt sich besorgt

Die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Claudia Kemfert, sieht noch erheblichen Nachholbedarf bei der Energiewende. "Der Anteil der Erneuerbaren Energien muss deutlich erhöht werden, die Energieeffizienz deutlich verbessert werden", sagte sie bei n-tv. Sowohl beim Ausbau der Netze als auch bei der Verbesserung der Energieeffizienz müsse noch einiges getan werden. "Zudem fehlt auch eine Institution, die wirklich verantwortlich ist – also ein Energieministerium wäre schon sinnvoll, denn sonst verheddert man sich da wirklich in Einzelthemen."

Auch der ehemalige Vorsitzende der Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung in Deutschland, Klaus Töpfer, zeigte sich unzufrieden mit dem derzeitigen Stand der Energiewende. Er forderte mehr Engagement der Bundesregierung bei deren Umsetzung. "Wir sind an wichtigen Punkten nicht zügig genug vorangekommen", sagte der CDU-Politiker der "Saarbrücker Zeitung". "Das zweite Jahr der Energiewende muss besser genutzt werden als das erste."

Vor allem die Spannungen zwischen Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) seien hinderlich. Die Energiewende müsse daher "mit besonderem Engagement des Kanzleramtes" umgesetzt werden, sagte Töpfer.

Private Energiewende läuft besser

"Die Bei Renovierung Dämm-Pflicht ist fast besser in Gang gekommen als die von oben", ergänzte Töpfer, der selbst früher Umweltminister war. So hätten viele Bürger in den Städten und Gemeinden damit begonnen, Energie selbst zu erzeugen. "Privat, in Genossenschaften, durch neue Aufgaben für die Stadtwerke."

Demgegenüber gehe es bei der steuerlichen Förderung der energetischen Gebäudesanierung nicht vorwärts. Auch fehlten die Rahmenbedingungen für Investitionen in dringend benötigte neue Gaskraftwerke. Schwer nachvollziehbar sei zudem das Vorgehen der Regierung bei der Kürzung gilt schon ab 9. März , kritisierte Töpfer.

Am 11. März vergangenen Jahres löste ein Tsunami in Folge eines schweren Erdbebens die Atom-Katastrophe von Fukushima aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte mit einer Kurswende auf das Desaster: Die wenige Monate zuvor von Union und FDP gegen erbitterten Widerstand durchgesetzten längeren Akw-Laufzeiten wurden

Quelle: n-tv.de, ghö/dpa/rts

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