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Madrid hat genug von Krawallen Für Sánchez wird es eng

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Alberto Rivera (m.) und Anhänger seiner Ciudadanos-Partei fordern ein Ende der Gewalt in Katalonien.

(Foto: REUTERS)

Nach den Ausschreitungen in Katalonien erhöht die spanische Zentralregierung den Druck auf die Separatisten und lehnt den Dialog mit Barcelona ab. Doch die Opposition fordert von Regierungschef Sánchez noch mehr Härte.

Angesichts der gewaltsamen Proteste in Katalonien gerät Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez unter Druck: Die Opposition wirft dem sozialistischen Regierungschef vor, nicht hart genug gegen radikale katalanische Unabhängigkeitsbefürworter vorzugehen. Unterdessen beruhigt sich nach tagelangen heftigen Unruhen die Lage in Barcelona und anderen Städten der Region.

Zu einer von der liberalen Ciudadanos-Partei organisierten Kundgebung vor dem Sitz der katalanischen Regionalregierung versammelten sich Hunderte Demonstranten unter dem Motto "Es ist genug! Gerechtigkeit und Koexistenz". Demokratie bedeute, dass die Straße allen gehöre, sagte der Chef der Partei, Alberto Rivera, mit Verweis auf gewaltbereite Anhänger der Unabhängigkeitsbewegung. "Wir haben genug davon, wie Radikale frei herumlaufen und Millionen von Spaniern in ihrem Land erschrecken", erklärte Rivera vor der Demonstration auf Twitter.

Rivera forderte Sánchez auf, Kataloniens Autonomie aufzuheben, so wie es die Zentralregierung in Madrid bereits 2017 nach dem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum getan hatte. Ciudadanos war als Reaktion auf die katalanische Unabhängigkeitsbewegung gegründet worden.

Auch der Chef der konservativen Volkspartei (PP), Pablo Casado, beschuldigte die Regierung in der Zeitung "El Pais" so zu tun, als "wäre nichts passiert". Er sagte, es könne keinen Dialog mit denjenigen geben, "die Katalonien zum Brennen bringen", und nahm damit Bezug auf den katalanischen Regionalpräsidenten Quim Torra, der Sánchez am Samstag zu Gesprächen "ohne Vorbedingungen" aufgefordert hatte. Mit seiner Forderung zielt Torra auch auf ein neues Unabhängigkeitsreferendum ab, das die spanische Zentralregierung allerdings kategorisch ablehnt.

Sánchez lehnt Verhandlungen mit Torra ab

Sánchez lehnte es allerdings ab, sich mit Torra zu treffen, bis dieser nicht "deutlich" die gewaltsamen Proteste verurteilt und anerkennt, dass ungefähr die Hälfte der Einwohner Kataloniens keine Unabhängigkeit von Spanien will. Auslöser der seit Tagen anhaltenden Demonstrationen insbesondere in Barcelona aber auch in anderen Städten der Region war die Verurteilung von neun Anführern der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung. Spaniens Oberster Gerichtshof hatte am Montag Haftstrafen von bis zu 13 Jahren gegen prominente Politiker der Bewegung wegen ihrer Rolle beim Unabhängigkeitsreferendum 2017 verhängt.

Am Samstag, dem sechsten Protesttag in Folge, versammelten sich noch einmal 6000 Unabhängigkeitsbefürworter im Stadtzentrum. Im Vergleich zum Vortag blieb es aber vergleichsweise ruhig. Am Freitag hatten eine halbe Million Menschen zuerst friedlich protestiert, dann war die Gewalt in der Nacht zum Samstag eskaliert.

Radikale Demonstranten hatten Barrikaden errichtet sowie Steine und Metallgegenstände auf Polizisten geworfen. Dutzende Pflastersteine wurden aus den Gehwegen gerissen. Die Beamten setzten Tränengas und Gummigeschosse ein. Flüge wurden gestrichen, Läden und Touristenattraktionen wie die weltberühmte Gaudí-Kathedrale Sagrada Família blieben geschlossen.

Hunderte Verletzte bei Ausschreitungen

Seit dem Beginn der Proteste wurden nach Angaben der Behörden rund 600 Menschen bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei verletzt. Mehr als 200 wurden vorläufig festgenommen.

Die Demonstrationen haben die Frage um Kataloniens Unabhängigkeit mitten in den spanischen Wahlkampf gerückt: Am 10. November kämpft Ministerpräsident Sánchez um seine Wiederwahl. Seine Sozialisten werden wohl wieder keine Mehrheit erreichen. Der PP von Casado werden hingegen signifikante Stimmenzuwächse vorausgesagt. Es ist Spaniens vierte Parlamentsabstimmung in vier Jahren.

Quelle: n-tv.de, uzh/AFP

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