Politik

Sanktionen gegen Russland Gabriel: "Müssen zeigen, was uns Frieden wert ist"

256536890.jpg

Russland sei auf den Status eines Energielieferanten herabgesunken und wolle wieder mehr Einfluss, sagt Gabriel.

(Foto: picture alliance / photothek)

Die Bundesregierung stoppt das Projekt Nord Stream 2, um den Druck auf den Kreml in der Ukraine-Krise zu erhöhen. Das werde auch hierzulande einen Preis haben, sagt Ex-Außenminister Gabriel. Sanktionen wie diese allein werden allerdings kaum ausreichen, um Putin zu beeindrucken, glaubt er.

Der frühere Bundesaußenminister Sigmar Gabriel glaubt, dass der russische Präsident Wladimir Putin sein Land wieder zu einer Großmacht machen will - und dafür auch Sanktionen in Kauf nimmt. Eine der Strafmaßnahmen ist der Stopp von Nord Stream 2. Das Aus des Gaspipeline-Projekts habe auch Folgen für Deutschland, sagte Gabriel bei RTL direkt: "Ich glaube, da darf sich keiner was vormachen, wir haben ohnehin schon hohe Energiepreise, das wird uns auch selber treffen, aber wir müssen jetzt mal zeigen, was uns der Frieden in Europa wert ist und ich finde, da darf man nicht zurückschrecken", betonte Gabriel. "Wer mit Krieg in Europa spielt und bewaffnet in ein Land einfällt, der muss auch einen Preis dafür zahlen."

Der ehemalige Außenminister glaubt nicht, dass Putin sich alleine von solchen Maßnahmen beeindrucken lässt, "(…) weil Sanktionen dieser Art vermutlich bei ihm längst einkalkuliert sind. Sanktionen sind in Russland so eine Art Großmachtsteuer, die man halt bezahlen muss, wenn man in der Welt der Großen mitspielen will." Weiter sagte Gabriel, er glaube, "dass jetzt wesentlich mehr passieren muss und das wird auch passieren. Russland hat zwar zurzeit gefüllte Staatskassen, weil die Energiepreise hoch sind, aber das Land ist keineswegs in gutem Zustand und deswegen werden die Europäer und die Vereinigten Staaten ganz sicher mehr machen als nur Nord-Stream zu stoppen."

Ob das Putin davon abhalten wird, noch weiter zu gehen, vermag Gabriel "nicht vorauszusehen". Es sei offensichtlich, was Putin politisch will. "Er will Russland zurückbringen in die Position einer europäischen Großmacht, also international ohnehin, aber er will, dass die Zukunft Europas wieder mit ihm verhandelt werden muss. Denn aus seiner Sicht - und da liegt er gar nicht falsch - hat Russland in Europa seit 1989 dramatisch an Einfluss verloren. Das Land ist auf den Status eines Energielieferanten herabgesunken, es ist wirtschaftlich nicht attraktiv, es ist politisch nicht attraktiv und das will er ändern. Und den einzigen Hebel, den er dafür hat, ist sozusagen das Militär."

Quelle: ntv.de, hul

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen