Politik

Sicherheitsfragen im Restaurant Gast fotografiert Trumps Krisengespräch

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Ein offizielles Dinner: Donald Trump mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe (2.v.l.) in Mar-a-Lago.

(Foto: AP)

Seiner Rivalin Clinton warf er im Wahlkampf vor, mit ihren E-Mails leichtfertig die nationale Sicherheit gefährdet zu haben. Nun muss Donald Trump selbst erklären, warum er ein Briefing mit seinen Sicherheitsberatern in Sichtweite von Restaurantgästen abhielt.

Im Präsidentschaftswahlkampf gegen Hillary Clinton war die nationale Sicherheit ein großes Thema für Donald Trump. Jetzt ist er US-Präsident - und nimmt es mit den Standards in Sachen Geheimhaltung offenbar nicht mehr ganz so ernst. In den Vereinigten Staaten hat jetzt ein Mann für Aufregung gesorgt, dem es offenbar gelungen ist, sich während einer Beratung von Trump mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe in Hörweite zu schleichen. Wie mehrere US-Medien berichten, war Richard DeAgazio als Gast ins Restaurant des Mar-a-Lago gekommen - ein luxuriöses Ferienresort im Besitz von Trump. Auf der Terrasse traf er demnach auf Trump und Abe, die in wenigen Metern Entfernung beim Dinner saßen.

*Datenschutz

Interessant wurde es für DeAgazio, als plötzlich Berater herbeieilten, um die beiden Politiker über einen kurz zuvor erfolgten Raketenstart von Nordkorea zu informieren. Die USA stehen in dem Konflikt mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un traditionell an der Seite Südkoreas und Japans. Ministerpräsident Abe hatte den Test wenig später scharf verurteilt. Und Trump hatte Japan zu "100 Prozent" Unterstützung zugesagt.

Wie es zu diesem Konsens kam, durfte DeAgazio am vergangenen Samstagabend offenbar aus nächster Nähe beobachten. Auf Facebook teilte er ein Foto von Trump und Abe, wie sie sich umringt von Mitarbeitern - darunter auch der mittlerweile zurückgetretene Nationale Sicherheitsberater Michael Flynn - über ein Dokument beugen, in dem Details zum nordkoreanischen Raketentest gestanden haben sollen.

Demokraten reagieren schockiert

Skurril ist diese Szene auch, weil eine Mitarbeiterin das Licht ihres Smartphones benutzt, um Trump und Abe das Lesen zu erleichtern. Offenbar war niemand auf die Idee gekommen, das sicherheitsrelevante Thema in einem abhörsicheren Raum zu besprechen. Dies wäre in einer solchen Situation das übliche Vorgehen gewesen. Pete Souza, der frühere Fotograf im Weißen Haus, erklärte auf Instagram, wenn Ex-Präsident Barack Obama unterwegs gewesen sei, habe er sich stets in einen gesicherten, abgeschlossenen Raum zurückgezogen, wenn es um Fragen der nationalen Sicherheit ging. "Jeder musste sein Blackberry draußen lassen", schrieb Souza.

*Datenschutz

Mehrere Medien spekulierten, die Handys der Stabsmitarbeiter hätten geknackt worden sein können. Hackern wäre es dann ein Leichtes gewesen, sensible Informationen zu erhalten, die im Zweifel nur für den Präsidenten bestimmt sind. Die Fraktionschefin der Demokraten im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, erklärte, es gebe "keine Entschuldigung dafür, eine internationale Krise" vor einer Reihe von Clubmitgliedern zu besprechen.

Rick, der Mann mit dem Atomkoffer

Dass DeAgazio unbeabsichtigt eine Sicherheitslücke offenbart haben könnte, war ihm jedoch zunächst nicht klar. "Donnerwetter!", schrieb er zu dem Facebook-Foto. "Wie faszinierend, die plötzliche Hektik beim Dinner zu beobachten, nachdem die Meldung bekannt wurde, dass Nordkorea eine Rakete in Japans Richtung abgefeuert hat. Wow … das Zentrum der Action!" Auf Nachfrage der "Washington Post" erklärte DeAgazio am Montag, indem Trump "mit seinen Leuten" auf der Terrasse des Restaurants geblieben sei, habe er gezeigt, dass er "ein Mann des Volkes" sei. Außerdem, betonte er, habe er nichts von dem hören können, was am Tisch von den beiden Staatsmännern besprochen wurde.

Mittlerweile ist die Facebook-Seite von DeAgazio nicht mehr erreichbar. Neben dem Bild vom Dinner des Präsidenten hatte der Restaurantgast aber noch mehrere weitere Fotos ins Netz geladen - unter anderem von "Rick", dem Mann mit dem "Nuclear Football". So wird in den USA der Koffer genannt, mit dessen Inhalt der US-Präsident den Einsatz von Nuklearwaffen anordnen kann. Ein anderes Bild zeigt DeAgazio auf einem Selfie mit Trumps Chefberater Steve Bannon.

Um als Gast in Mar-a-Lago speisen zu können, muss man übrigens Mitglied sein. Die einmalige Aufnahmegebühr kostet laut TV-Sender ABC 200.000 Dollar. Zusätzlich werden jährlich rund 14.000 Dollar Zugangsgebühr und 2000 Dollar für Speisen fällig.

Quelle: n-tv.de, jug

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