Politik

Soldaten in Händen von IS und Nusra Geiseldrama von Arsal hält Libanon gefangen

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Arsal im Nordosten des Libanon ist zu einem Elendsort verkommen. Bedroht von Dschihadisten, eingekesselt von der Armee und verlassen von den Vereinten Nationen.

(Foto: REUTERS)

Vor einem Jahr entführten die Nusra-Front und der IS im Libanon fast 30 Soldaten. Ein paar wurden ermordet, ein paar freigelassen. Mit den restlichen können die Dschihadisten beliebig Einfluss auf die Politik des nicht mehr ganz so wehrhaften Libanon nehmen.

Anfang August 2014 schwappte der syrische Bürgerkrieg mit voller Wucht hinüber in den Libanon. Flüchtlinge waren schon lange da und es wurden immer mehr. Aber dass kämpfende Gruppen aus Syrien so weit auf libanesische Gebiet vordrangen, das war neu und alarmierte die libanesischen Sicherheitsbehörden.

Dschihadisten des IS und der Al-Nusra-Front waren in das kleine Bergstädtchen Arsal eingedrungen. Ein enger, elender, mit Flüchtlingen überfüllter Ort in einem Tal zwischen hohen Bergzügen, auf denen Aussichtstürme der Armee stehen. Doch die Ferngläser der Armeeposten hatten offensichtlich eine Entwicklung übersehen. Als IS und Nusra-Front die Stadt stürmten, war es fast zu spät. Tagelang beschossen sich die libanesische Armee und die Dschihadisten. Am Ende waren einige Flüchtlingslager zerstört und Dutzende Menschen tot.

Bis heute gilt Arsal als gefährlicher Ort, die UN zogen sich nach den Kämpfen vom August 2014 zurück und überließen die Flüchtlinge lokalen Hilfsorganisationen. Man weiß nicht so genau, wer dort Flüchtling und wer IS- oder Nusra-Front-Anhänger ist. Es kann auch beides zusammenkommen. Bei den verzweifelten Lebensbedingungen ist das nicht so abwegig, wie es aus der Ferne zu sein scheint.

Libanon soll berüchtigte Extremisten freilassen

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Mahnwache für Ali Bazzal, eine der vier Geiseln, die ermordet wurden. Bazzal wurde Anfang Dezember 2014 nach tagelangen Drohungen von Mitgliedern der Nusra-Front erschossen.

(Foto: REUTERS)

Die damaligen Kämpfe von Arsal markieren den Beginn eines Geiseldramas, das seither die libanesische Innenpolitik belastet. Es gehört zu den absurden Episoden, die der syrische Krieg indirekt hervorgebracht hat. Um die Soldaten lebend zurückzukriegen, ließ sich die Regierung auf Verhandlungen mit dem IS und der Nusra-Front ein. Zunächst beauftragte sie eine Gruppe von Geistlichen, ab September dann einen Unterhändler aus Katar.

Mitte Juli schien der Durchbruch geschafft. Die Nusra-Front bot einen Gefangenenaustausch an. Es war nicht das erste Mal. Die 17 verbliebenen Geiseln sollten freikommen, wenn dafür Extremisten aus dem Beiruter Roumieh-Gefängnis freikämen. Dort, im berüchtigten Block B, hält der libanesische Staat Islamisten gefangen - neben anderen die frühere Ehefrau des IS-Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi, Sadscha Dulaimi, sowie einen Extremisten, der neulich mit einem Auto voller Sprengstoff bei Arsal aufgegriffen wurde.

Der Preis für die Soldaten ist also hoch, doch nun steht der Deal auch aus anderen Gründen wieder auf der Kippe. Die Zeitung "The Daily Star" berichtet, die Nusra-Front habe wieder neue Bedingungen gestellt. Zunächst sollten nur vier Soldaten freikommen, im Gegenzug fünf Dschihadisten. Danach sollten die restlichen Geiseln freikommen, sofern sich die mit dem Assad-Regime verbündete libanesische Miliz Hisbollah aus syrischen Dörfern im Grenzgebiet zurückziehe, damit die von dort stammenden Flüchtlinge heimkehren könnten.

Die Geiselnehmer haben es nicht eilig, der Staat schon

Die libanesische Regierung hat bei den Verhandlungen den Druck der Straße im Nacken. Vergangenes Wochenende erinnerten die Familien wieder einmal an die überlebenden Geiseln. Regelmäßig sind die Einfallstraßen nach Beirut dicht, weil die Familien dort Barrikaden errichten und Reifen anzünden - damit ihre Verwandten endlich freigekauft werden, egal wie. Die Familien haben dem Staat längst Versagen bei den Verhandlungen vorgeworfen.

Die 17 Soldaten befinden sich immer noch in Geiselhaft bei den Dschihadisten. Sowohl IS als auch Nusra-Front haben über die Monate jeweils zwei der Geiseln umgebracht. Der IS enthauptete zwei von ihnen, die Nusra-Front erschoss weitere zwei. Doch die Geiselnehmer scheinen es ohnehin nicht eilig zu haben.

Während die Kämpfer von IS und Nusra-Front sonst keine Hemmungen haben, Menschen zu ermorden, ist diese Geiselnahme ein taktisches Spiel. Solange die Dschihadisten die Geiseln haben, sind den libanesischen Sicherheitsbehörden die Hände gebunden, die ansonsten eine harte Anti-Terror-Linie fahren. Einer der Soldaten, der junge Vater Ali Bazzal, wurde im Dezember als direkte Antwort auf die Festnahme von Sadscha al-Dulaimi ermordet. Der "Daily Star" zitiert einen Sprecher der Sicherheitskräfte: Das Problem sei eben, dass man nicht mit einem Staat verhandle, sondern mit einer Gruppe, die ihre Bedingungen selbst festlegt.

Quelle: n-tv.de

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