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"Chef einer Terroristengruppe" Gericht warnte vor Abaaouds Plänen

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Schon Monate vor den Anschlägen von Paris wird der Belgier Abdelhamid Abaaoud in Abwesenheit zu 20 Jahren Haft verurteilt. Was das Gericht in seiner Urteilsschrift dokumentiert, klingt nach den Ereignissen vom 13. November wie eine Prophezeiung des Grauens.

Dass Abdelhamid Abaaoud schon vor den Anschlägen in Paris für die Justizbehörden kein Unbekannter war, beweist eine Gerichtsakte, aus der das Magazin "Spiegel" jetzt zitiert. Sie stammt vom vergangenen Juli, als Abaaoud von einem belgischen Gericht zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde. Das Problem: Zu diesem Zeitpunkt war der IS-Anhänger längst untergetaucht. In der Akte heißt es, Abaaoud handele wie der "Chef einer Terroristengruppe". Eine Einschätzung, die sich vier Monate später als bittere Wahrheit herausstellen sollte.

Schon 2010 war der Sohn marokkanischer Einwanderer wegen eines Überfalls zu einer Haftstrafe verurteilt worden. In den Gefängnissen von Vorst und Sint-Gillis, sagte seine Schwester, habe er sich endgültig radikalisiert. War er zuvor eher wegen Schlägereien oder Trunkenheit mit der Polizei aneinandergeraten, fanden Polizisten an der Tür seiner Wohnung im Brüsseler Stadtteil Molenbeek nun Huldigungen an den Islamischen Staat (IS).

Bei einer Durchsuchung der Wohnräume im Januar 2014 wurden ein Dolch, Pfefferspray, Einbruchswerkzeuge und geklaute Nummernschilder sichergestellt. Das Gericht ging damals schon davon aus, dass Abaaoud seine Reisen nach Syrien "wahrscheinlich" mit diversen Straftaten finanzierte. Auch im April dieses Jahres soll er in dem Bürgerkriegsland gewesen sein – und aus der Ferne den Auftrag erteilt haben, ein Attentat auf zwei Kirchen in Villejuif nahe Paris zu verüben. Der Plan war nur durch Zufall aufgeflogen.

Gericht sah Abaaoud als "Teil einer Zelle"

In der Urteilsbegründung kommen die Richter zu dem Schluss, dass "einige Elemente Anlass zu dem Verdacht geben, dass er, von nah oder fern, einer Zelle angehört, die sich darauf vorbereitet, ein Attentat oder Attentate in Belgien zu begehen".

Kaum einen Monat nach diesem Urteil, am 11. August, tauchte der Name Abaaouds enreut bei Ermittlungen zu einem vereitelten Anschlag in Paris auf. Der Terrorverdächtige Reda Hame soll von ihm in Syrien dazu beauftragt worden sein, einen Konzertsaal oder ein anderes "einfaches Ziel" in der französischen Hauptstadt zu attackieren. Auch dieser Plan schlug fehl. Erst für die Attentate am 13. November kehrte Abaaoud schließlich selbst nach Europa zurück.

Quelle: n-tv.de, jug

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