Politik

Dutzende Verletzte Gewalt in Jerusalem flackert wieder auf

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Palästinenser schwenken eine Fahne vor der Felsenmoschee in Jerusalem.

(Foto: AP)

Die Ruhe währte nur kurz, am Tempelberg in Jerusalem kommt zu heftigen Zusammenstößen zwischen Palästinensern und Israelis. Mehr als 50 Menschen werden verletzt.

Die Hoffnung auf eine dauerhafte Entspannung im Streit um den Tempelberg in Jerusalem hat sich vorerst zerschlagen: Nach dem Abbau der umstrittenen Sicherheitsvorrichtungen durch Israel kamen zwar erstmals seit zwei Wochen wieder Palästinenser zu Gebeten in die heilige Stätte - bereits kurz darauf gab es aber Zusammenstöße mit israelischen Sicherheitskräften. Der palästinensische Rote Halbmond meldete mindestens 56 Verletzte.

Nach Beendigung eines Boykotts versammelten sich rund 100.000 Menschen nach palästinensischen Angaben in der Altstadt. Vor dem Tempelberg-Gelände kam es zu Auseinandersetzungen, als israelische Polizisten inmitten einer Menschenmenge liefen. Palästinenser warfen Plastikflaschen, die israelischen Sicherheitskräfte setzten Blendgranaten ein. Tausende Muslime strömten auf den Tempelberg, der Juden wie Muslimen heilig ist. Dort wurden israelische Polizisten mit Steinen beworfen, ein Beamter sei am Kopf getroffen worden, zudem seien einige Steine auf das Gelände der jüdischen Klagemauer heruntergefallen, teilte die Polizei mit. Die Beamten hätten diejenigen zurückgedrängt, "die sich den Anordnungen widersetzten".

Eingangstore zum Tempelberg wieder verschlossen

Auf den Moscheen gehisste Palästinenserflaggen seien von der Polizei wieder abgenommen worden, hieß es weiter. Der Rote Halbmond teilte mit, Menschen seien durch Gummimantelgeschosse israelischer Polizisten getroffen worden und hätten Tränengas eingeatmet. Die Polizei trieb die Palästinenser laut Medienberichten mit Schlagstöcken auseinander. Die Eingangstore zum Tempelberg seien wieder verschlossen worden.

Israel hatte zuvor auch die letzten Kontrollvorrichtungen an den Zugängen abgebaut. Die muslimische Führung in Jerusalem verkündete daraufhin, der Status quo an der heiligen Stätte sei wiederhergestellt. Gläubige könnten wieder in der Al-Aksa-Moschee beten. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas begrüßte die Entwicklung.

Israel hatte nach einem tödlichen Anschlag arabischer Attentäter auf Polizisten am 14. Juli stärkere Kontrollen von muslimischen Gläubigen mit Metalldetektoren angeordnet. Die Palästinenser protestierten dagegen, weil sie dies als Versuch Israels werteten, mehr Einfluss auf den Tempelberg zu erlangen. Abbas' Fatah-Organisation und die im Gazastreifen herrschende radikalislamische Hamas riefen für Freitag zu einem neuen "Tag des Zorns" auf. Nach der Aufforderung der Wakf-Behörde zum Massengebet wird weiterhin damit gerechnet, dass Zehntausende zum Tempelberg kommen. Dabei werden neue Konfrontationen befürchtet.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu geriet durch das Nachgeben in der Krise intern stark unter Druck. Rechte Regierungsmitglieder in Israel warfen ihm vor, er habe vor den Palästinensern kapituliert. "Die Entscheidung, die Metalldetektoren angesichts von Drohungen mit Gewalt wieder abzubauen, war ein Fehler", sagte Erziehungsminister Naftali Bennett von der Siedlerpartei dem Armeesender. "Israel ist schwächer aus dieser Krise hervorgegangen." Sogar Oren Chasan, Mitglied der Regierungspartei Likud und eigentlich Netanjahu-Getreuer, schrieb in Anspielung auf Korruptionsvorwürfe gegen Netanjahu: "Es gibt Leute, die dem Regierungschef die Zigarren und den rosa Champagner verzeihen werden. Aber die Kapitulation und den künftigen Schaden an Israels Sicherheit in der Tempelberg-Affäre, unsere Demütigung und die arabische Schadenfreude - nicht."

Quelle: ntv.de, jki/dpa/AFP