Politik

Kronzeuge stellt Erdogan bloß Goldhändler Zarrab gesteht Bestechung

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Diese Gerichtszeichnung zeigt Zarrab während seines Geständnisses.

(Foto: AP)

Mit Hilfe eines früheren türkischen Wirtschaftsministers kann Reza Zarrab Sanktionen gegen den Iran umgehen. Mit diesem Geständnis in den USA bringt der Goldhändler den türkischen Präsidenten in Bedrängnis - der von den Geschäften profitiert haben könnte.

Der türkisch-iranische Goldhändler Reza Zarrab hat zugegeben, den früheren türkischen Wirtschaftsminister Mehmet Zafer Caglayan mit rund sieben Millionen Dollar bestochen zu haben. Caglayan habe ihm dafür geholfen, über die staatliche türkische Halkbank "Gold-gegen-Öl-Deals" abzuhandeln und Sanktionen gegen den Iran zu umgehen, sagte Zarrab vor einem Gericht in New York aus. Caglayan habe 50 Prozent der Profite bekommen. Zuvor sei er von der Bank abgewiesen worden, sagte Zarrab, weil er "zu bekannt" sei. "Meine Frau ist eine berühmte Künstlerin in der Türkei, ich war ein Mensch, der die ganze Zeit in der Öffentlichkeit stand."

Der 34-jährige Zarrab hätte bei dem brisanten Prozess eigentlich selbst auf der Anklagebank sitzen sollen. Dann hatte er sich allerdings schuldig bekannt und tritt nun als Belastungszeuge auf. Auf der Anklagebank sitzt stattdessen der frühere Vizechef der staatlichen türkischen Halkbank, Mehmet Hakan Atilla. Er weist die Anschuldigungen bislang zurück.

Heikler Prozess für Erdogan

Zarrab war im März 2016 während einer Reise nach Florida festgenommen worden, Atilla rund ein Jahr danach. Alle anderen Beschuldigten in dem Fall, darunter auch der ehemalige türkische Wirtschaftsminister Caglayan, sind im Ausland. Der Prozess, der für Spannungen zwischen den USA und der Türkei gesorgt hat, könnte Beobachtern zufolge drei bis vier Wochen dauern.

Der Prozess ist heikel für Präsident Recep Tayyip Erdogan, weil er Korruptionsvorwürfe aus dem Dezember 2013 wieder an die Öffentlichkeit bringt. Zarrab stand damals im Zentrum von Ermittlungen gegen Politiker und Geschäftsleute aus dem Umfeld des türkischen Präsidenten. Vier Minister mussten ihren Posten räumen, bevor Erdogan die Einstellung der Korruptionsermittlungen erzwang.

Es besteht der Verdacht, dass die türkische Führung von den Goldgeschäften Zarrabs nicht nur wusste, sondern von ihnen auch profitiert hat. Die Regierung in Ankara hatte erst am Montag auf die Einstellung des Verfahrens gedrungen. Präsident Erdogan hatte den Prozess als "Verschwörung" gegen seine Regierung bezeichnet.

Quelle: ntv.de, uzh/dpa

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