Politik

"Lichtjahre auseinander" Greenpeace rüffelt schwarz-grüne Gespräche

256087442.jpg

Baerbock (M.) und Laschet (r.) treffen sich heute zum Sondierungsgespräch.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Pool)

Die Grünen streben eine Ampel-Koalition mit SPD und FDP an. Doch festgelegt haben sie sich nicht. Das heutige Treffen mit den Spitzen der Union sieht Greenpeace kritisch, denn die Parteien hätten riesige Differenzen beim Klimaschutz. Die Umweltorganisation fordert ein Sofortprogramm.

Nach Einschätzung der Umweltorganisation Greenpeace können die Grünen weder mit der Union noch mit der SPD und der FDP eine Koalition eingehen, wenn diese Parteien ihre Klimaschutzpolitik nicht grundlegend ändern. Am wenigsten passten allerdings Union und Grüne zusammen, sagte Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Grüne und Union liegen beim Klimaschutz Lichtjahre auseinander", sagte Kaiser. Union und Grüne loten am heutigen Dienstag in einem Sondierungsgespräch Möglichkeiten für eine Regierungszusammenarbeit aus.

Weder SPD noch Union oder FDP würden durch Koalitionsverhandlungen kommen, ohne ihre bisherigen Positionen etwa zum Kohleausstieg, zum Ausbau der Erneuerbaren Energien, zum Umstieg auf saubere Mobilität oder zu einer Landwirtschaft ohne Massentierhaltung grundlegend zu verändern, sagte Kaiser.

Die Grünen wollen etwa, dass Solaranlagen auf Dächern zur Pflicht werden. Von 2030 an sollen nur noch emissionsfreie Autos neu zugelassen werden - das wäre das Aus für den klassischen Verbrennungsmotor, der mit fossilen Kraftstoffen wie Benzin und Diesel angetrieben wird. Die Union lehnt Verbote ab, setzt auf Anreize. Sie will etwa für mehr Solardächer ein Förderprogramm mit zinslosen Darlehen für Eigentümer. Umstritten zwischen Union und Grünen ist auch, ob der CO2-Preis im Verkehr- sowie im Wärmebereich schneller steigen soll - so wie es die Grünen wollen.

Deutschland als weltweites Vorbild

Unabhängig von ihrer Zusammensetzung sei laut Kaiser aber klar, dass die nächste Bundesregierung mit einem Sofortprogramm Antworten auf die Klimakrise geben müsse, um die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad zu erreichen, sagte der Greenpeace-Chef dem RND.

Der CDU-nahe Wirtschaftsrat wünscht sich hingegen ein Bündnis der Union mit den Grünen. Verbands-Generalsekretär Wolfgang Steiger sagte dem RND: "Wir brauchen einen breiten politischen Konsens für den Industriestandort Deutschland in der Klimapolitik." Dies gehe "nur mit den Grünen". Diese müssten davon überzeugt werden, dass Deutschland als Industrieland mehr Technologieoffenheit und weniger Verbote brauche, sagte Steiger. Deutschland könne nur als weltweites Vorbild gewinnen und andere Länder mitziehen. Würde Deutschland industrielle Marktanteile verlieren, würden andere Staaten abgeschreckt, den Weg mitzugehen.

Quelle: ntv.de, dbe/AFP

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.