Politik

Panikkäufe und Steuerzahlungen Griechen werden erfinderisch

Not und Angst machen kreativ. Ehe sie ihr Geld verlieren, geben die Griechen es lieber aus. Doch die Händler lassen sich längst nicht mehr auf jedes Geschäft ein.

Die Staatspleite in Griechenland scheint kaum noch abwendbar. Inzwischen greifen viele Griechen zu drastischen Mitteln, um ihr Erspartes nicht einfach so zu verlieren. Die "New York Times" berichtet, wer irgendwie in der Lage dazu sei, versuche, hochwertige Güter einzukaufen. Dabei sind teure Sonnenbrillen ebenso gefragt wie Handys.

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Auf dem Athener Fischmarkt muss bar bezahlt werden, das ist in diesen Tagen schwierig.

(Foto: REUTERS)

  Regelrecht leergekauft sind inzwischen die Läden, in denen es große Haushaltsgeräte wie Kühlschränke, Herde oder Geschirrspüler gibt. Eine Verkäuferin berichtete von regelrechten Panikkäufen. Sie habe sogar die Ausstellungsstücke verkauft und stelle die verbliebenen Waren nun so, dass die Lücken nicht gar zu sehr auffallen. Dabei fließt so gut wie kein Bargeld, es wird mit Karte bezahlt.

Ein griechischer Juwelier berichtete, er habe am Mittwoch einen Kunden abgewiesen, der Schmuck im Wert von einer Million Euro kaufen wollte. Auch hier sollte mit Karte gezahlt werden, doch der Juwelier wollte lieber seine Ware behalten, als sich auf eine große Summe bei einer griechischen Bank zu verlassen. Immer wieder macht der Verweis auf Zypern 2013 die Runde. Bei dem dortigen Bankenrettungsplan verloren Sparer, die mehr als 100.000 Euro auf dem Konto hatten, rund 40 Prozent ihrer Einlagen.

Geld wird auf vielen Konten verteilt

Daraus versuchen die Griechen zu lernen. Die Panik, die die Menschen fühlten, sei kaum zu beschreiben, berichtet ein Athener Buchhalter. Er habe sogar Kunden, die schon jetzt ausrechnen lassen, welche Steuern sie zu bezahlen haben und die Summe dann bereits vorab überweisen. Auch wenn die Steuer 40.000 oder 50.000 Euro betrage, zahlten sie den ganzen Betrag "in einem Rutsch".

Wer noch Schulden hat und sie bezahlen kann, tut das jetzt. Doch wer noch Geld zu bekommen hat, will es jetzt gerade nicht haben. Groß ist die Angst, dass das Geld auf den Bankkonten im Fall eines Schuldenschnitts einfach weg sein könnte. Der Einlagensicherung trauen die wenigsten. Weil zudem unklar ist, wie im Falle eines Schuldenschnitts vorgegangen wird, versuchen viele Griechen ihr Geld in kleineren Summen auf mehrere Konten zu verteilen.

Auf dem Athener Fischmarkt, wo man ausschließlich mit Bargeld bezahlen kann, laufen die Geschäfte in diesen Tagen schlecht. Lediglich 60 Euro am Tag können die Griechen bar am Automaten abheben. Wer Glück hat, bekommt sie tatsächlich auch. Doch die Automaten geben nur noch 50- und 20-Euroscheine aus. Die Zwanzigerscheine  werden immer rarer und Fünfziger kann kaum noch jemand wechseln. Ein Apotheker berichtet, er habe schon jetzt viele Kunden, die ihre Medikamente mit Schuldscheinen bezahlten. Einzelne Firmen sind inzwischen dazu übergegangen, ihre Mitarbeiter in bar zu bezahlen.

Quelle: n-tv.de, sba

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